Laut dem Klimastatusbericht der Amerikanischen Meteorologischen Gesellschaft (AMS) war das Jahr 2024 ein Jahr der Klimaextreme. Noch nie war es auf der Erde so heiß, wie im vergangenen Jahr. Die Temperaturen kletterten weltweit auf Rekordwerte, auch die Ozeane und Meere waren ungewöhnlich warm und in der Atmosphäre sammelten sich Treibhausgase in bislang unbekannter Konzentration. Gleichzeitig schmolzen die Gletscher in rasantem Tempo, Eisflächen in der Arktis und Antarktis schrumpften weiter, und Extremwetterereignisse forderten weltweit Todesopfer.
Ein heißer Planet: Rekordtemperaturen auf allen Kontinenten
Das Jahr 2024 war das wärmste seit Beginn der Messungen im Jahr 1850 (Abb. 1). Nahezu alle Regionen der Welt waren betroffen. Beispielsweise kletterten die Temperaturen in Bolivien auf 47 °C und in Myanmar auf 48,2 °C. Beides waren nationale Rekorde. Auch Europa geriet ins Schwitzen. In Norwegen beispielsweise wurden Anfang September erstmals über 30 °C gemessen – so spät im Jahr wie nie zuvor. In der arktischen Region war es das zweitwärmste Jahr der letzten 125 Jahre. Auf Spitzbergen wurde im August eine Durchschnittstemperatur von über 11 °C gemessen – ein neuer Höchstwert.
Atmosphäre: Kohlendioxid erreicht neuen Höchstwert
Die Konzentration von Kohlendioxid, dem wichtigsten Treibhausgas, erreichte im Jahr 2024 einen neuen Rekordwert: 422,8 ppm. Das sind 52 Prozent mehr als vor der Industrialisierung. Besonders besorgniserregend: Der jährliche Zuwachs lag bei 3,4 ppm – ähnlich hoch wie im bisherigen Extremjahr 2016.
Eis in Auflösung: Gletscher und Pole schmelzen weiter
Weltweit verzeichneten alle 58 Referenzgletscher einen Masseverlust. In Kolumbien verschwand ein weiterer Gletscher. In Venezuela sind nun alle Gletscher offiziell verschwunden. Auch das Meereis schwindet zunehmend. Die minimale Meereisausdehnung in der Arktis war 2024 die siebtkleinste seit Beginn der Aufzeichnungen (Abb. 1). Die Arktis erlebte ihr zweitwärmstes Jahr. Auffällig waren auch die Temperaturen in der Antarktis. Im Juli und August lagen sie stellenweise bis zu 10 Grad über dem Durchschnitt.
Ozeane: Warm bis in die Tiefsee
Die Meere erwärmten sich 2024 weiter (Abb. 1). 91 Prozent der Ozeanfläche waren mindestens einmal von einer marinen Hitzewelle betroffen. Gleichzeitig nahm auch die Temperatur in den Tiefen bis 2000 Meter zu – der globale Wärmegehalt der Ozeane war so hoch wie nie. Der Meeresspiegel stieg erneut an: Er lag 2024 im globalen Mittel 105,8 Millimeter über dem Wert von 1993, dem Beginn der Satellitenmessungen. Es war das 13. Rekordjahr in Folge.
Extremwetter: Trockenheit, Waldbrände und Niederschläge
Das Jahr 2024 brachte auch eine Serie von Wetterextremen. In Kanada etwa war es das heißeste und trockenste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen – mit verheerenden Waldbränden als Folge. Auch in Südamerika trockneten ganze Regionen aus. Beispielsweise führte der Rio Negro in Brasilien so wenig Wasser wie nie seit 1902. Europa war ebenfalls stark betroffen (Abb. 1).
- Im September brachte der Sturm Boris heftige Regenfälle nach Ostmitteleuropa. Der Sturm forderte 24 Todesopfer und verursachte Schäden in Höhe von mehreren Milliarden Dollar.
- Im Oktober gingen in Valencia in Spanien innerhalb von nur zwölf Stunden 720 Millimeter Regen nieder – ein europäischer Rekord (Abb. 1). Mindestens 223 Menschen kamen ums Leben, und der wirtschaftliche Schaden belief sich auf über 14 Milliarden US-Dollar.
- Griechenland, Rumänien und Bulgarien litten unter extremer Trockenheit.

Abb. 1: Geographische Verteilung von ausgewählten klimatischen Anomalien und Ereignissen im Jahr 2024. Quelle: AMS
Die Bilanz des Jahres 2024 ist eindeutig: Die Erde erwärmt sich nicht nur weiter – sie tut es mit wachsender Geschwindigkeit. Temperaturen, die einst Ausreißer waren, sind zur neuen Realität geworden. Gletscher verschwinden. Die Ozeane und Meere werden wärmer und der Meeresspiegel steigt. Wetterextreme häufen sich.