Anstieg des Meeresspiegels erhöht Häufigkeit extremer Küstenwasserstände

Veröffentlicht am 08.07.2026

Bereits heute treten an den Küsten Sturmfluten, Hochwasser und Überschwemmungen deutlich häufiger auf als noch vor 100 Jahren. Eine neue internationale Studie zeigt nun erstmals, welchen Anteil der Klimawandel daran hat. Das Ergebnis ist, dass der menschenverursachte Anstieg des Meeresspiegels die Wahrscheinlichkeit extremer Küstenwasserstände erheblich erhöht hat.

Ergebnisse

Ein internationales Forschungsteam hat in der Fachzeitschrift Nature Climate Change untersucht, wie sich die Häufigkeit extremer Küstenwasserstände weltweit seit dem Jahr 1900 verändert hat. Dafür werteten die Wissenschaftler historische Pegeldaten aus und kombinierten diese mit Klimamodellen, die den Einfluss verschiedener natürlicher und menschlicher Faktoren berücksichtigen. Ziel war es, den Beitrag des Klimawandels auf extreme Küstenwasserstände nachzuweisen und zu quantifizieren.

Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Entwicklung, denn im globalen Mittel hat sich die Häufigkeit extremer Küstenereignisse wie Sturmfluten, Hochwasser und Überschwemmungen seit 1900 um das Zwölffache erhöht. Extreme Wasserstände, die früher nur einmal pro Jahrhundert auftraten, kommen demnach heute im globalen Durchschnitt alle acht Jahre vor. Dabei hat allein der vom Menschen verursachte Strahlungsantrieb die Wahrscheinlichkeit solcher Ereignisse vervierfacht. Während natürliche Klimaschwankungen weiterhin regionale Unterschiede prägen, dominiert heute entlang der meisten Küsten der durch den Klimawandel verursachte Meeresspiegelanstieg (Abb.1). 

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Anstieg des mittleren globalen Meeresspiegels. Der schattierte Bereich zeigt die Unsicherheit an.

Abb. 1.: Anstieg des mittleren globalen Meeresspiegels. Der schattierte Bereich zeigt die Unsicherheit an. Quelle: Klimastatusbericht der Weltorganisation für Meteorologie (WMO). Abgerufen am 08.07.2026.

Der zugrunde liegende Mechanismus für die erhöhte Häufigkeit extremer Küstenwasserstände ist folgender: Steigt der mittlere Meeresspiegel an, benötigen Stürme oder andere Wetterereignisse weniger zusätzliche Wasserhöhe, um kritische Schwellenwerte zu überschreiten. Selbst wenn sich die Stärke von Sturmfluten nicht verändert, werden dadurch Überschwemmungen wahrscheinlicher. 

Die Untersuchung ist auch deshalb bedeutsam, weil sie auf Beobachtungsdaten basiert. Die neue Analyse zeigt, dass die Auswirkungen des Klimawandels auf die Küstenregionen bereits heute in den Messdaten nachweisbar sind. Für viele Küstenstädte und tiefliegende Regionen bedeutet dies, dass historische Erfahrungswerte zunehmend an Aussagekraft verlieren. Ereignisse, die früher als Jahrhunderthochwasser galten, können inzwischen deutlich häufiger auftreten. Mit weiter steigendem Meeresspiegel wird sich dieser Trend in den kommenden Jahrzehnten fortsetzen.

Fazit

Die Studie liefert einen der bislang deutlichsten Nachweise dafür, dass der menschengemachte Klimawandel die Häufigkeit extremer Küstenwasserstände bereits heute verändert hat. Der Meeresspiegelanstieg erweist sich dabei als ein wesentlicher Treiber der beobachteten Veränderungen. Daher muss der jetzige Küstenschutz die bereits eingetretenen Veränderungen berücksichtigen. Außerdem wächst die Bedeutung langfristiger Anpassungsmaßnahmen.