ECONICS-Grün-Feucht-Kühl-Index: Bayerns regionale Unterschiede im Zeichen des Klimawandels

Veröffentlicht am 06.08.2026

Der neue Grün-Feucht-Kühl-Index des ECONICS INSTITUTE e.V. bewertet die ökologische Leistungsfähigkeit der Landschaften Deutschlands unter den Bedingungen des Klimawandels. Der Index zeigt deutliche regionale Unterschiede in Bayern. Während der Alpenraum, das Alpenvorland und der Bayerische Wald zu den vergleichsweise leistungsfähigen Naturräumen gehören, verschärft sich die Lage in Teilen Nordbayerns vor allem durch Waldschäden.

Was ist der ECONICS-Grün-Feucht-Kühl-Index?  

Der ECONICS-Grün-Feucht-Kühl-Index versucht die Frage zu beantworten, wie leistungsfähig eine Landschaft im Klimawandel ist. Dazu verbindet er drei Eigenschaften in eine einzige Kennzahl: Wie grün ist eine Landschaft am Ende des Sommers? Wie viel Niederschlag erhält sie? Und wie stark erwärmt sich ihre Oberfläche an heißen Tagen? Dabei beruht der Index auf die Kombination von satellitenbasierten und meteorologischen Daten in einem Raster von 30 x 30 Metern. Das Ergebnis ist ein detailliertes Bild der ökologischen Leistungsfähigkeit der Landschaften Deutschlands (Abb. 1). Hohe Werte stehen für Landschaften, die grüner, feuchter und kühler sind (grüne Farbtöne in Abb. 1). Dagegen stehen niedrige Werte für heiße, trockene und vegetationsarme Regionen (rote Farbtöne in Abb. 1). 

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ECONICS-Grün-Feucht-Kühl-Index 2021–2025.

Abb. 1: ECONICS-Grün-Feucht-Kühl-Index 2021–2025. Quelle: Bericht des ECONICS INSTITUTE e.V.. Abgerufen am 06.08.2026.

Deutschlandweite Auswertung

Nach dem besonders ungünstigen Jahr 2022 erholten sich die Indexwerte im Jahr 2023 zunächst (Abb. 2). In den Jahren 2024 und 2025 setzte jedoch erneut eine Verschlechterung ein. Der bundesweite Durchschnitt lag im Jahr 2025 16 Prozent unter dem Wert von 2021. Allein gegenüber 2024 verschlechterte sich der Index um 7,2 Prozent. Diese Entwicklung passt zu den zunehmenden Belastungen durch den Klimawandel: höhere Temperaturen, häufigere und intensivere Trockenperioden sowie Schäden an der Vegetation. Versiegelung, intensive Landwirtschaft, die Zerschneidung von Landschaften und der Verlust von Wäldern können die Fähigkeit der Landschaften zur Kühlung und Wasserspeicherung weiter schwächen. Besonders auffällig ist, dass sich kritische Entwicklungen selbst verstärken können, denn weniger Vegetation bedeutet weniger Verdunstung und Schatten. Die Landschaft heizt sich stärker auf und trocknet schneller aus. Das wiederum setzt die Vegetation weiter unter Stress.

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Lineare Regression (schwarze Linie) des ECONICS-Grün-Feucht-Kühl-Index im Vergleich zum jährlichen Mittelwert (blaue Linie) und dem Gesamtmittelwert (gestrichelte Linie) für Deutschland.

Abb. 2: Lineare Regression (schwarze Linie) des ECONICS-Grün-Feucht-Kühl-Index im Vergleich zum jährlichen Mittelwert (blaue Linie) und dem Gesamtmittelwert (gestrichelte Linie) für Deutschland. Quelle: Bericht des ECONICS INSTITUTE e.V.. Abgerufen am 06.08.2026.

Ergebnisse für Bayern

Der Freistaat Bayern gehört insgesamt zu den Bundesländern mit vergleichsweise hohen Indexwerten. Zugleich zeigt sich innerhalb des Landes ein deutlicher Gegensatz zwischen dem Norden und dem Süden:

  • Süden: Im Alpenraum und im Alpenvorland liegen die Landschaften höher, erhalten im Mittel mehr Niederschlag und sind dadurch kühler und feuchter. Diese natürlichen Voraussetzungen schlagen sich im Index nieder. Denn der Süden Bayerns gehört zu den Regionen, in denen sich die Grün-Feucht-Kühl-Bedingungen im Untersuchungszeitraum von 2021 bis 2025 positiv entwickelten.
  • Norden: Hier zeigt der Index hauptsächlich einen negativen Trend. Besonders betroffen sind die fränkischen Waldgebiete. Dort setzt sich das Absterben von Fichten fort. Die Waldschäden gehen mit einer Verschlechterung der Grün-Feucht-Kühl-Bedingungen einher. Der Rückgang der Vegetationsbedeckung wirkt sich dabei nicht nur auf den Wald selbst aus. Weniger Vegetation bedeutet auch weniger Kühlung und eine geringere Fähigkeit, Wasser im Ökosystem zu halten.

Bayern ist damit ein Beispiel dafür, dass die Auswirkungen des Klimawandels nicht nur zwischen verschiedenen Bundesländern, sondern auch innerhalb eines Bundeslandes erheblich variieren können. 

Der Bericht zeigt auch anhand des ökologischen Kernwertes, wo in Bayern besonders wertvolle Landschaftsräume liegen. Der Kernwert beschreibt, wie gut Landschaftsräume miteinander verbunden und wie wenig sie durch Straßen, Siedlungen und andere Infrastruktur zerschnitten sind. So gehört der Bayerische Wald zu den Regionen mit den höchsten ökologischen Kernwerten Deutschlands. Auch der Alpenraum weist hohe Kernwerte auf. Die Topografie und die geringere Zerschneidung durch Infrastruktur begünstigen dort die Vernetzung der Landschaft. Diese Regionen sind besonders bedeutsam, denn sie bieten bessere Voraussetzungen dafür, dass ökologische Prozesse auch unter dem fortschreitenden Klimawandel aufrechterhalten werden können. Sie sind weniger stark von Rand- und Austrocknungseffekten betroffen und bieten Pflanzen und Tieren bessere Möglichkeiten, auf veränderte klimatische Bedingungen zu reagieren.

Eine besondere Situation ergibt sich beim Blick auf die landwirtschaftlich genutzten Flächen. Der Index zeigt, dass sich Ackerflächen an heißen Tagen teilweise ähnlich stark erwärmen wie Siedlungsflächen. Nur in wenigen Bundesländern, darunter auch Bayern, gibt es Anteile von Ackerflächen mit sehr gutem Potenzial. Insgesamt bleibt der Zustand der natürlichen Infrastruktur auf Ackerland jedoch bundesweit kritisch. Dagegen stehen die bayerischen Grünlandflächen etwas besser da. Allerdings liegt auch hier der Anteil der Flächen mit gutem oder sehr gutem Potenzial deutlich unter der Hälfte.

Fazit

Der ECONICS-Grün-Feucht-Kühl-Index zeigt, dass die Zukunftsfähigkeit einer Landschaft nicht nur vom Klima abhängt, sondern auch davon, wie viel intakte Vegetation erhalten bleibt und wie stark Ökosysteme miteinander verbunden sind. Für Bayern bedeutet Klimaanpassung deshalb, die wertvollen Landschaften der Alpen, des Alpenvorlandes und des Bayerischen Waldes zu schützen sowie die bereits geschädigten Landschaften im Norden gezielt widerstandsfähiger zu machen.