Klimatologische Einordnung der Hitzewelle Juni 2026 in Bayern

Bayern erlebte Ende Juni 2026 eine außergewöhnliche Hitzewelle. Bereits seit Mitte Juni warnte der Deutsche Wetterdienst (DWD) vor einer extremen Hitzebelastung. Die DWD-Meldungen waren seit der Einführung des DWD-Hitzewarnsystems noch nie so früh im Jahresverlauf herausgegeben worden. Eine klimatologische Einordung dieser Hitzewelle zeigt, dass solche Hitzeereignisse zukünftig häufiger, länger andauern und intensiver ausfallen werden.

Außergewöhnliche Hitzewelle bereits im Juni

Ab der Monatsmitte wurden in Bayern zwölf bis 15 Hitzetagen (Tage pro Jahr mit einem Temperaturmaximum von mindestens 30 °C) am Stück gemessen (Pressemitteilung des DWDs vom 29.06.2026). Ende Juni 2026 stiegen die Temperaturen in Bayern vielerorts deutlich über 35 Grad Celsius, regional wurden Spitzenwerte von mehr als 40 Grad gemessen. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes gehörte diese Hitzewelle zu den längsten seit Einführung des DWD-Hitzewarnsystems im Jahr 2005. Besonders außergewöhnlich war dabei der Zeitpunkt, denn noch nie zuvor musste der DWD bereits im Juni über einen derart langen Zeitraum vor extremer Hitze warnen.

Verantwortlich für die vergangene Hitzewelle war eine sogenannte Omega-Wetterlage. Dabei wird ein stabiles Hochdruckgebiet von zwei Tiefdruckgebieten flankiert. Sie sorgte dafür, dass heiße Luft über mehrere Tage nahezu unbeweglich über Mitteleuropa liegen blieb. Gleichzeitig fehlten Wolken und kühlende Niederschläge, sodass sich Boden und Luft kontinuierlich weiter aufheizten.

Nicht nur die Tageshöchsttemperaturen stellten eine Belastung für die menschliche Gesundheit dar. Problematisch waren auch sogenannte Tropennächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad Celsius sinkt. Während sich der menschliche Körper nachts normalerweise von der Tageshitze erholen kann, bleibt diese Erholungsphase in Tropennächten aus. Besonders ausgeprägt ist dieser Effekt in Städten. Versiegelte Flächen, Gebäude und Straßen speichern tagsüber große Mengen Wärme und geben sie nachts nur langsam wieder ab. So wurde laut einer Pressemitteilung des DWDs während der aktuellen Hitzewelle in München zwischen der Innenstadt und dem Umland ein Temperaturunterschied von mehr als sechs Grad gemessen. Während im Umland deutlich kühlere Bedingungen herrschten, traten in der Stadt Tropennächte auf.

Vor allem ältere Menschen, Säuglinge und Kleinkinder, Schwangere sowie Personen mit Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen reagieren empfindlich auf Hitzewellen. Ausreichendes Trinken, körperliche Schonung sowie möglichst kühle Aufenthaltsorte gehören zu den wichtigsten Schutzmaßnahmen.

Ein Blick auf die Klimadaten des Bayerischen Klimainformationssystems

Die aktuelle Hitzewelle reiht sich in eine Entwicklung ein, die sich in Bayern bereits in der Vergangenheit beobachten ließ, denn laut dem Bayerischen Klimainformationssystem sind sowohl die Anzahl der Hitzetage als auch die Hitzewellen deutlich häufiger geworden.

Während zwischen 1971 und 2000 im Mittel lediglich 3,8 Hitzetage pro Jahr registriert wurden, hat sich deren Zahl in den vergangenen Jahrzehnten mehr als verdoppelt (Abb. 1). Auch Hitzewellen treten heute häufiger und länger auf. Zudem liegen die durchschnittlichen Temperaturen während solcher Ereignisse heute höher als noch vor wenigen Jahrzehnten.

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Beobachtete Entwicklung der Hitzetage in Bayern.

Abb. 1: Beobachtete Entwicklung der Hitzetage in Bayern. Quelle: Bayerisches Klimainformationssystem. Abgerufen am 30.06.2026.

Die Klimamodelle zeigen, dass sich dieser Trend fortsetzen wird. Ohne konsequenten Klimaschutz könnten die Hitzetage bis zum Ende des Jahrhunderts stark zunehmen (Abb. 2). Auch die Tropennächte würden deutlich häufiger auftreten. Bei konsequenten Klimaschutz fällt diese Entwicklung hingegen deutlich schwächer aus (Abb. 2).

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Zukünftige Entwicklung der Hitzetage in Bayern.

Abb. 2: Zukünftige Entwicklung der Hitzetage in Bayern. Quelle: Bayerisches Klimainformationssystem. Abgerufen am 30.06.2026.

Klimawandel verstärkt die Hitze

Dass die Wetterlage Ende Juni 2026 außergewöhnlich heiß ausfiel, lag nicht allein an der Hochdrucklage. Eine Analyse des internationalen Forschungsprojekts ClimaMeter zeigt, dass vergleichbare Wetterlagen bereits früher auftraten. Die Temperaturen waren damals jedoch deutlich niedriger. Für München errechneten die Forschenden einen zusätzlichen Erwärmungseffekt von rund 2,3 Grad Celsius infolge des menschengemachten Klimawandels. In anderen Regionen Europas liegt dieser Effekt sogar zwischen ein und vier Grad Celsius. Somit verdeutlicht die Analyse des Forschungsprojekts ClimaMeter, dass nicht die Wetterlage selbst außergewöhnlich war. Neu ist vielmehr das höhere Temperaturniveau des gesamten Klimasystems. Dadurch entwickeln sich Wetterlagen, die früher warme Sommertage brachten, heute deutlich häufiger zu ausgeprägten Hitzeereignissen.

Die World Weather Attribution Initiative hat in einer kürzlich erschienenen Studie zu der aktuellen Hitzewelle in Westeuropa ebenfalls untersucht, welchen Einfluss der Klimawandel hat. Dieses Vorgehen nennt man Attributionsforschung. Dabei wird der mögliche Einfluss des Klimawandels auf extreme Wetterereignisse bewertet, indem ein Klima ohne Klimawandel mit dem aktuellen Klima verglichen wird. Die Studie zeigt, dass es die stärkste Hitzewelle in Westeuropa war, die jemals gemessen wurde. Eine vergleichbare Hitzewelle unter den klimatischen Bedingungen vor 50 Jahren wäre um 3,5 Grad kühler ausgefallen. Die Nachttemperaturen wie diesen Juni waren 2003 noch 100-mal weniger wahrscheinlich als heute.

Hitze trifft auf anhaltende Trockenheit

Die vergangene Hitzewelle verschärft die ohnehin angespannte Situation in Bayern, denn eine gut gefüllte Badewanne an Wasser fehlt jedem Quadratmeter Boden nach der anhaltenden Trockenheit im vergangenen Halbjahr 2026. Das Wasserdefizit setzte sich im Mai 2026 fort, als nur 76 % der gewöhnlichen Niederschlagsmenge in Nordbayern und sogar nur 58 % in Südbayern fielen (im Vergleich zu 1971-2000; Niedrigwasser-Lagebericht vom 02.06.2026). Auch der Monatsniederschlag im Juni fiel mit 67 % deutlich zu gering aus. Die Folgen zeigen sich vielerorts deutlich: Niedrige Wasserstände in Seen und Flüssen, Rekordtiefstände im Grundwasser sowie Böden, die sich über den Winter nicht ausreichend regenerieren konnten. 

Für die Zukunft ergibt sich für Bayern aus dem Bayerischen Klimainformationssystem eine Abnahme der Sommerniederschläge von ca. 10 % und eine weitere Zunahme von Trockentagen und Trockenperioden bis zum Ende des Jahrhunderts. Hinzu kommt eine verstärkte Verdunstung im Zuge der fortschreitenden Erwärmung, was bei unveränderten Jahresniederschlägen zu trockeneren Verhältnissen führt.

Fazit

Die vergangene Hitzewelle Ende Juni 2026 war in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlich. Sie trat ungewöhnlich früh im Jahr auf, dauerte ungewöhnlich lange an und führte vielerorts zu extremer Wärmebelastung. Gleichzeitig bestätigt sie einen Trend, der sich seit Jahrzehnten in den Klimadaten Bayerns abzeichnet. Hitzetage, Hitzewellen und Tropennächte nehmen zu, während Trockenperioden häufiger werden und sich die Wasserverfügbarkeit verschlechtert. Die Wetterlage selbst war meteorologisch nicht ungewöhnlich. Erst die langfristige Erwärmung des Klimas machte aus einer intensiven sommerlichen Hochdrucklage ein Extremereignis.

Ergänzung vom 14.07.2026:
Hitzewelle trifft Deutschland im Juni 2026, Quelle: Deutscher Wetterdienst. Abgerufen am 14.07.2026.