Bayern erlebt außergewöhnliche Trockenheit

Veröffentlicht am 13.08.2026

Von März bis Juli 2026 fiel in Bayern so wenig Niederschlag wie noch nie seit 1931. Etwa 45 Prozent Niederschlag fehlen im Vergleich zum langjährigen Mittel 1971 bis 2000. Gleichzeitig sorgten Hitzewellen und hohe Temperaturen für zusätzliche Austrocknung durch eine hohe Verdunstung. Die Folgen sind niedrige Grundwasserstände, ausgetrocknete Böden und geringe Wasserstände in Flüssen und Seen.

Fast ein halbes Jahr mit zu wenig Regen

Bayern erlebt seit dem Frühjahr 2026 eine außergewöhnliche Trockenphase. Von März bis Juli fielen im Mittel lediglich 234 Millimeter Niederschlag. Das sind 45 Prozent weniger als im Mittel der Referenzperiode 1971 bis 2000. Bayern war im Zeitraum März bis Juli seit dem Jahr 1931 noch nie so trocken. Bis auf Unterfranken und Oberfranken trifft dieser Negativrekord auch auf die einzelnen Regierungsbezirke zu. 

Besonders groß ist das Defizit in Schwaben. Dort fielen im betrachteten Zeitraum 267 Millimeter Niederschlag. Das sind 48 Prozent weniger als im Referenzzeitraum (Abb. 1). In Mittelfranken waren es 174 Millimeter, ein Minus von 47 Prozent. Oberbayern, Niederbayern und die Oberpfalz verzeichneten Defizite von 46 Prozent. In Unterfranken war der Zeitraum März bis Juli nur in den Jahren 1976 (-58 %) und 2022 (-44 %) noch trockener. 

Nähere Informationen zur aktuellen Lage findet man im Niedrigwasser-Lagebericht Bayern des Niedrigwasserinformationsdiensts NID.

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Niederschlagsbilanz in den Regierungsbezirken im Zeitraum März 2026 bis Juli 2026 im Vergleich zum Referenzzeitraum von 1971 bis 2000.

Abb. 1: Niederschlagsbilanz in den Regierungsbezirken im Zeitraum März 2026 bis Juli 2026 im Vergleich zum Referenzzeitraum von 1971 bis 2000. Quelle: Niedrigwasserinformationsdienst. © Bayerisches Landesamt für Umwelt, 2026.

Das Ausmaß der aktuellen Niederschlagsdefizite wird besonders deutlich im Vergleich mit einem bekannten Trockenjahr: Der zweittrockenste Zeitraum März bis Juli in Bayern wurde 2003 registriert. Das damalige Defizit gegenüber dem Referenzzeitraum betrug 36 Prozent, welches aktuell mit 45 Prozent nochmals weit unterschritten wurde. 

Trockene Startbedingungen für das Jahr 2026

Die aktuelle Situation ist nicht allein das Ergebnis der Frühjahrs- und Sommertrockenheit 2026. Bereits 2025 war ein zu trockenes Jahr. Seit den 2010er-Jahren häufen sich trockene Halbjahre und Jahre. Extreme Dürren wurden unter anderem 2014, 2015, 2018 und 2022 registriert. Dies zeigt auch der halbjährliche Niederschlagsindex (SPI) (siehe Abb. 2).  Der Mittelwert des SPI der letzten 20 Jahre ist eindeutig negativ.

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Standardisierter Niederschlagsindex (engl. Standardized Precipitation Index, SPI) seit 1951 für Bayern mit 6-monatigem gleitendem Zeitfenster. SPI-Werte von geringer als -2 gelten als extreme Dürren.

Abb. 2: Standardisierter Niederschlagsindex (engl. Standardized Precipitation Index, SPI) seit 1951 für Bayern mit 6-monatigem gleitendem Zeitfenster. SPI-Werte von geringer als -2 gelten als extreme Dürren. © Bayerisches Landesamt für Umwelt, 2026.

Der SPI deckt jedoch nur die Niederschlagsverhältnisse ab, ohne die Dürren anhand der damaligen Grundwasserstände, Bodenfeuchten oder der Verdunstung zu beschreiben. Besonders problematisch ist, dass sich aufgrund der gehäuft aufgetretenen trockenen hydrologischen Winterhalbjahre (November bis April) die Grundwasserspeicher oft nicht ausreichend auffüllen konnten. Bereits im Winterhalbjahr 2025/2026 fehlten gut ein Drittel an Niederschlag in Bayern. In Kombination mit der aktuellen sommerlichen Dürre werden an zahlreichen Messstellen, mit Schwerpunkt Südbayern, neue Niedrigstwerte beobachtet. Die Trockenheit beschränkt sich damit längst nicht mehr auf die obersten Bodenschichten. Sie reicht bis ins Grundwasser und kommt dort zunehmend auch in den tieferen Grundwasservorkommen an. Die Wasserstände von Seen und Fließgewässern sind vielerorts ebenfalls niedrig bis sehr niedrig. Neue Niedrigstwerte werden auch hier erreicht. Aktuelle Entwicklungen zu Messstellen von Grundwasser, Quellschüttungen und Abfluss sind ebenfalls im Niedrigwasserinformationsdienst Bayern abrufbar. 

Hitze verschärft die Trockenheit

Zur geringen Niederschlagsmenge kam Ende Juni eine außergewöhnliche Hitzewelle. Bereits ab Mitte Juni warnte der Deutsche Wetterdienst vor extremer Hitzebelastung. In Bayern wurden 12 bis 15 Hitzetage (Maximum der Lufttemperatur ≥ 30 °C) in Folge registriert (Quelle: Deutscher Wetterdienst). Vielerorts stiegen die Temperaturen auf mehr als 35 °C, regional wurden sogar Werte von über 40 °C erreicht. Die Mitteltemperatur lag bei 19,7 °C und damit fast fünf Grad über dem vieljährigen Mittel von 1961 bis 1990. Der DWD spricht in seiner Attributionsstudie vom 20.07.2026 von einer außergewöhnlichen Hitzewelle ohne historisches Vorbild in Dauer, Intensität und Ausdehnung. Das flächendeckende Ereignis mit einer langen Dauer außergewöhnlich hoher Temperaturen ist durch den bereits erfolgten Klimawandel wahrscheinlicher und intensiver – also heißer – geworden. In der Zukunft sind noch höhere Temperaturrekorde sowie längere Hitzewellen zu erwarten.

Für die Trockenheit ist diese Kombination besonders ungünstig. Hohe Temperaturen erhöhen die Verdunstung und damit den Wasserverlust von Böden und Vegetation. Treffen hohe Temperaturen auf ohnehin geringe Niederschläge, kann sich ein bestehendes Wasserdefizit weiter verstärken.

Auch eine Analyse von ClimaMeter zeigt, dass der Klimawandel die Hitzewelle zusätzlich verschärft hat. Für München wurde ein Erwärmungseffekt von rund 2,3 °C gegenüber vergleichbaren Wetterlagen früherer Jahrzehnte berechnet. Die Wetterlage allein erklärt die außergewöhnliche Hitze des Juni 2026 nicht. Erst die langfristige Erwärmung des Klimasystems machte aus einer ohnehin warmen Wetterlage ein Extremereignis (siehe Erläuterungen im Bayerischen Klimainformationsdienst (BayKIS)).

Juni und Juli brachten keine Entlastung

Die Witterung der bisherigen Sommermonate Juni und Juli verschärfte die Lage noch einmal: Nach der Hitzewelle im überdurchschnittlich warmen Juni war auch der Juli außergewöhnlich warm. Eine Rekord-Mitteltemperatur von 19,6 °C über beide Monate bedeutet eine Abweichung zum langjährigen Mittel der Referenzperiode 1971–2000 von 3,7 °C. Auch der Copernicus Klimawandeldienst meldet, dass Westeuropa seine wärmste Juni–Juli-Periode seit Beginn der Aufzeichnungen erlebte. Gleichzeitig fielen im gesamten Freistaat nur rund 132 Liter Niederschlag. Das sind nur 60 Prozent des Klimamittels für 1971–2000 von 216 Litern. Damit setzte sich die trockene Witterung weiter fort. Örtliche Gewitter konnten die Situation kaum verbessern, weil Starkregen nur punktuell auftrat und das Wasser die großräumige Trockenheit nicht ausgleichen konnte.

Wie ordnet sich die aktuelle Witterung im Vergleich mit vergangenen und zukünftig projizierten Daten ein?

Die aktuelle Trockenheit ist außergewöhnlich. Sie steht aber nicht völlig außerhalb der bisherigen Entwicklung. Die Auswertung der Beobachtungsdaten seit 1951 zeigt bereits eine Tendenz zur Abnahme der Sommerniederschläge, sowie eine Zunahme von einzelnen und aufeinanderfolgenden Trockentagen – sogenannter Trockenperioden. Gleichzeitig treten Niederschlagsdefizite insbesondere in den vergangenen zwei Jahrzehnten häufiger auf. Schauen Sie sich dazu die Klimadaten der Vergangenheit von 1951–2025 in unserem Klimatool der Vergangenheit in BayKIS selbst an.

Für die Zukunft rechnen die Klimamodelle mit einer weiteren Verschärfung der Trockenheit. Für Bayern wird bis zum Ende des Jahrhunderts eine Abnahme der Sommerniederschläge um etwa zehn Prozent erwartet. Gleichzeitig werden Trockentage und Trockenperioden zunehmen. Diese und weitere Zahlen können im Klimatool Zukunft im Bayerischen Klimainformationssystem mit Karten und Zeitverläufen für alle bayerischen Regionen veranschaulicht werden.

Hinzu kommt eine verstärkte Verdunstung im Zuge der fortschreitenden Erwärmung, was bei unveränderten Jahresniederschlägen zu trockeneren Verhältnissen führt. Für Bayern wird hier im Median eine Zunahme von knapp zehn Prozent in einem Szenario ohne Klimaschutz bis zum Ende des Jahrhunderts erwartet. Bei Einhaltung des 2-Grad-Ziels fiele der Anstieg deutlich geringer aus (UmweltSpezial: Klimawandel und Abflüsse in Bayern). 

Sollten die Niederschläge im Winterhalbjahr weiterhin sinken, wie es auch in einem Teil der Klimaprojektionen abgebildet wird, wird die Grundwasserneubildung, insbesondere in Kombination mit der steigenden Verdunstung, ebenfalls abnehmen. 

Es zeigt sich: Entscheidend für die zukünftige Wasserverfügbarkeit ist nicht allein die Frage, wie viel Regen insgesamt fällt. Auch wann er fällt, wie lange Trockenphasen dauern und wie viel Wasser aufgrund steigender Temperaturen wieder verdunstet, spielt eine wichtige Rolle. 

In den Oberflächengewässern kommt es zu längeren und intensiveren Niedrigwasserereignissen. Seit 1951 nehmen die Niedrigwasserabflüsse im Sommerhalbjahr ab. Die für die Zukunft projizierten Abflüsse auf Basis von Abflussprojektionen zeigen, dass sich diese Entwicklung in ganz Bayern bis Ende des Jahrhunderts fortsetzen wird. Die Abbildung 3 veranschaulicht die projizierten Änderungen des mittleren Niedrigwasserabflusses (MNQ) im Sommerhalbjahr (April bis September) des Wasserhaushaltsjahres für 60 Pegel in Bayern. Dargestellt ist der Zeitraum bis Ende des Jahrhunderts (2071–2100) gegenüber dem Referenzzeitraum (1971–2000) für eine Zukunft ohne Klimaschutz (Szenario RCP 8.5). Es treten häufiger und schwerere Niedrigwasserphasen auf.

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Projizierte Veränderung des mittleren Niedrigwasserabflusses (MNQ) im Sommerhalbjahr (April bis September) des Wasserhaushaltsjahres 2071–2100 gegenüber dem Referenzzeitraum 1971–2000 für das Emissionsszenario RCP8.5 für 60 Pegel in Bayern.

Abb. 3: Projizierte Veränderung des mittleren Niedrigwasserabflusses (MNQ) im Sommerhalbjahr (April bis September) des Wasserhaushaltsjahres 2071–2100 gegenüber dem Referenzzeitraum 1971–2000 für das Emissionsszenario RCP8.5 für 60 Pegel in Bayern. © Bayerisches Landesamt für Umwelt, 2026.

Neben ökologischen Auswirkungen wird die wasserwirtschaftliche Nutzung durch Niedrigwasser teils stark beeinträchtigt. Betroffen sind u. a. die Schifffahrt, Landwirtschaft und Energiewirtschaft. Einzelne Gewässerabschnitte oder auch komplette Gewässer werden im Sommer künftig häufiger und länger trockenfallen. Weitere Informationen zu den klimawandeldingten Entwicklungen von Niedrigwasser sind im Webangebot des LfU sowie der Publikation UmweltSpezial: Klimawandel und Abflüsse in Bayern zu finden.

Trockenheit wird zur langfristigen Herausforderung

Die Trockenheit des Jahres 2026 ist damit mehr als eine Momentaufnahme. Das Niederschlagsdefizit hat inzwischen Rekordniveau erreicht, während die Wasserreserven vielerorts bereits geschwächt sind. Die außergewöhnliche Hitze im Juni und die hohen Temperaturen im Juli haben die Situation zusätzlich verschärft.

Das vermehrte Auftreten von Trockenheit hat direkte Auswirkungen auf viele Bereiche: Die Beeinträchtigung der Wasserverfügbarkeit und die Verringerung der Wasserqualität in Gewässern stellt eine zunehmende Gefahr für den Mensch und die Ökosysteme dar. Die Folgen anhaltender Trockenheit betreffen beispielsweise das Gesundheitswesen, die Wasserversorgung, die Land- und Forstwirtschaft sowie die Infrastruktur.

Die erforderliche Anpassung kann durch eine Stärkung des natürlichen Wasserkreislaufs gelingen. Die Wasserwirtschaft ist seit jeher von variierenden natürlichen Gegebenheiten abhängig und unterliegt zudem sich ändernden Anforderungen aus der Gesellschaft. Sie hat gelernt, sich anzupassen. Der Klimawandel wird nun als weiterer, wichtiger Faktor berücksichtigt, der die heutigen Verhältnisse schnell und deutlich umgestalten wird. Die genutzten natürlichen Systeme, aber auch unsere Schutz- und Versorgungseinrichtungen können dadurch an Belastungsgrenzen kommen. Es müssen robuste, aber flexible Anpassungsstrategien entwickelt werden, die auch bei unsicheren Entwicklungen wirksam sind. Diese Strategien dürfen nicht nur die Hydrologie berücksichtigen, sondern auch politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Aspekte im Blick behalten. Die integrale Strategie „Wasserzukunft Bayern 2050“ der bayerischen Wasserwirtschaftsverwaltung fasst das geplante Vorgehen mit Anpassungsmaßnamen zur mittel- bis langfristigen Bewirtschaftung unserer Wasserressourcen zusammen. Sie umfasst auch das Thema Wassersicherheit bezogen auf Trockenheit und Dürre neben den Bereichen Hochwasserschutz, Ökologie und Sozialfunktion der Gewässer. Weitere Informationen zur Anpassung an Trockenheit und Niedrigwasser finden Sie auf den Internetseiten des Landesamts für Umwelt.

In Städten ist das Ziel die Etablierung einer sogenannten Schwammstadt, in der Niederschlag vor Ort versickern und verdunsten kann. Hierfür können zum Beispiel Baumgruben mit einer erhöhten Wasserspeicherfähigkeit angelegt und versiegelte Flächen wieder entsiegelt werden. Dach- und Straßenabflüsse können gezielt in Versicherungsmulden geleitet werden. Aber auch jeder einzeln kann etwas tun. So kann Regenwasser in Regentonnen oder Zisternen aufgefangen und zu einem späteren Zeitpunkt genutzt werden. Dies geht einher mit einem bewussten Umgang mit Wasser sowie einer angepassten Bewässerung der Vegetation und dem Pflanzen von trockenresistenten Arten. Die Publikation "Klimaanpassung in der Stadt“ aus der Reihe UmweltWissen erklärt, wie man sich an Trockenperioden anpassen kann. Sie zeigt Ansätze und Maßnahmen auf allen Ebenen, damit unsere Städte auch in Zukunft lebenswerte Orte bleiben.

Fazit

Das erste Halbjahr 2026 zeigt, wie sich fehlender Niederschlag, Hitze und zunehmende Verdunstung gegenseitig verstärken. Der Zeitraum März bis Juli war in Bayern der trockenste seit 1931. Die Hitzewelle im Juni und der außergewöhnlich warme Juli verschärften die Trockenheit zusätzlich. Die Klimamodelle deuten darauf hin, dass solche Situationen wahrscheinlicher werden und sich unter der fortschreitenden Erwärmung weiter verstärken können. Aktiver Klimaschutz reduziert die zu erwartenden Auswirkungen bis Ende des Jahrhunderts.