Eine neue Studie in Global Change Biology zeigt, dass die Gefahr von künftigen Waldbränden stark davon abhängt, wie sich das Klima und die gesellschaftliche Entwicklung in Zukunft verändern werden. Besonders in einem Szenario mit hohen Treibhausgasemissionen könnten auch Regionen in Mittel- und Westeuropa deutlich stärker von Waldbränden betroffen sein. Dagegen wirkt die Fähigkeit eines Landes in Brandprävention, Früherkennung und Brandbekämpfung zu investieren, auf die Zunahme der verbrannten Fläche stark dämpfend.
Erläuterungen und Methoden
Waldbrände sind in vielen Teilen Europas ein natürlicher Bestandteil von Ökosystemen. In den vergangenen Jahrzehnten hat jedoch der Klimawandel die Bedingungen für Waldbrände verändert. Steigende Temperaturen, zunehmende Trockenheit und häufigere Hochdruckwetterlagen mit hoher Brandgefahr führen bereits dazu, dass Brände wahrscheinlicher werden und sich über größere Flächen ausbreiten können. Wie stark sich diese Entwicklung im Laufe dieses Jahrhunderts fortsetzen könnte, haben Forschende in einer Studie in Global Change Biology untersucht. Sie kombinierten die zwei Feuermodelle SPITFIRE und BASE mit dem Vegetationsmodell LPJmL. Neben klimatischen Faktoren wurden auch gesellschaftliche Veränderungen berücksichtigt. Simuliert wurde die Entwicklung bis zum Jahr 2100 mit zwei unterschiedlichen Klimaszenarien, einerseits dem emissionsarmen Szenario SSP1-2.6 und andererseits dem emissionsreichen Szenario SSP3-7.0.
Mehr verbrannte Fläche bei starkem Klimawandel
Das zentrale Ergebnis ist, dass unter einem Szenario SSP3-7.0 die verbrannte Fläche in Europa deutlich zunimmt. Das SPITFIRE-Modell berechnet für die Jahre 2070 bis 2100 gegenüber dem Zeitraum 2000 bis 2030 einen Anstieg von rund 192 Prozent. Unter dem Szenario SSP1-2.6 fällt der Anstieg mit etwa 39 Prozent wesentlich geringer aus. Die beiden verwendeten Modelle SPITFIRE und BASE liefern allerdings nicht überall dieselben Ergebnisse. Das BASE-Modell simuliert unter SSP1-2.6 sogar einen Rückgang der verbrannten Fläche. Unter SSP3-7.0 steigt sie gegen Ende des Jahrhunderts wieder an, bleibt im europaweiten Mittel aber ungefähr auf dem heutigen Niveau. Die Unterschiede in den Ergebnissen verdeutlichen, dass Projektionen der künftigen Brandaktivität mit erheblichen Unsicherheiten verbunden sind. Trotz dieser Unterschiede zeigt sich eine Gemeinsamkeit. In beiden Modellen erweist sich der Fire Weather Index (FWI) als dominierender Einflussfaktor. Dabei ist der FWI ein weltweit genutzter meteorologischer Index zur Einschätzung der wetterbedingten Brandgefahr von Wäldern. Er berechnet sich aus der Lufttemperatur, der relativen Luftfeuchtigkeit, der Windgeschwindigkeit und den Niederschlagsmengen der letzten 24 Stunden. Höhere FWI-Werte weisen auf günstige Wetterbedingungen für Brände hin. Unter dem Szenario SSP1-2.6 kommt es in vielen Regionen Europas zu moderaten Anstiegen des FWI, während sich in anderen Regionen kaum etwas ändert. Im Gegensatz dazu führt das Szenario SSP3-7.0 zu einem durchgängigen Anstieg des FWI in praktisch ganz Europa. Unter diesem Szenario dominieren zunehmend extreme Brandwetterbedingungen im gesamten Mittelmeerraum sowie in weiten Teilen Frankreichs, der Pyrenäen und der westlichen Alpen.
Ergebnisse für Deutschland
Nach den SPITFIRE-Simulationen könnten unter dem emissionsreichen Szenario SSP3-7.0 in bisher weniger feuergefährdeten Regionen neue Waldbrände entstehen. Als konkretes Beispiel nennen die Forschenden Westdeutschland (Abb. 1B). Das bedeutet aber nicht, dass Deutschland künftig mit den heutigen Brandhotspots Südeuropas gleichzusetzen wäre. Die Studie zeigt vielmehr eine Verschiebung der räumlichen Verteilung: Bedingungen, die bislang vor allem im Süden Europas für häufige und große Brände sorgten, könnten sich mit zunehmender Erwärmung weiter nach Norden und in Teile Mitteleuropas ausbreiten.
Abb. 1: Relative Veränderungen der verbrannten Fläche zwischen den Zeiträumen 2000–2030 und 2070–2100 für SSP1-2.6 (A, C) und SSP3-7.0 (B, D) unter Verwendung der Modelle SPITFIRE (A, B) und BASE (C, D). Quelle: Studie. Abgerufen am 31.08.2026.
Nicht nur das Klima entscheidet
Die Studie zeigt zugleich, dass auch gesellschaftliche Entwicklungen die Brandaktivität beeinflussen können. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Human Development Index (HDI). Er beschreibt unter anderem die Fähigkeit eines Landes, in Brandprävention, Früherkennung und Brandbekämpfung zu investieren. Dabei wirken steigende Werte des HDI dämpfend auf die Zunahme der verbrannten Fläche. Die Simulationen zeigen für das Ende des Jahrhunderts eine um rund 92 Prozent geringere verbrannte Fläche unter SSP1-2.6 beziehungsweise um rund 72 Prozent unter SSP3-7.0, wenn sich der HDI positiv entwickelt. Allerdings hat dieser Effekt Grenzen. Bei sehr starkem Klimawandel können extreme Wetterbedingungen die Möglichkeiten der Brandbekämpfung übersteigen.
Fazit
Mit zunehmendem Klimawandel verschärft sich das für Brände günstige Wetter und damit grundsätzlich auch das Waldbrandrisiko. Jedoch hängt die Brandgefahr nicht allein vom Klima ab. Prävention, Früherkennung und eine leistungsfähige Brandbekämpfung können das Risiko erheblich reduzieren. Trotzdem zeigt sich: Je stärker sich das Klima erwärmt, desto schwieriger wird es, die zunehmende Feuergefahr allein durch Anpassungsmaßnahmen auszugleichen.