Eine neue Studie zeigt für weite Teile Europas einen statistisch signifikanten Anstieg der UV-Strahlung. Besonders auffällig ist die Entwicklung in Mitteleuropa, aber auch in Deutschland ist der Anstieg nachweisbar. An der Messstation Dortmund nahm die UV-Strahlung zwischen 2013 und 2022 im Mittel um rund zwei Prozent pro Jahr zu. Als Ursache sehen die Forschenden Veränderungen der Bewölkung und der Sonnenscheindauer. Damit könnte auch der Klimawandel indirekt eine Rolle spielen.
Datengrundlage
Grundlage der Studie waren UV-Messungen von 40 europäischen Observatorien in einen Zeitraum von 2013 bis 2022 (Abb. 1). Die Forschenden legten besonderen Wert auf die Qualität der Zeitreihen. Da fehlende Messwerte Monats- und Jahresmittel beeinflussen können, wurden nur Messreihen mit höchstens fünf fehlenden Tagen verwendet. Ergänzt wurden diese Bodenmessungen durch Datensätze aus der Fernerkundung. Dazu gehörten UV-Daten des NASA-Satelliten OMI und des europäischen TEMIS-Systems sowie hochaufgelöste Daten zur globalen Sonneneinstrahlung und Sonnenscheindauer aus den Satellitendatensätzen SARAH und CLARA.
Abb. 1: Europäische UV-Messstationen, deren Messungen ausgewertet wurden. Die Hintergrundkarte stammt vom NASA Earth Observatory. Quelle: Studie. Abgerufen am 03.09.2026.
UV-Strahlung nimmt in großen Teilen Europas zu
An 26 der 40 Messstationen stieg das Jahresmittel der UV-Strahlung statistisch signifikant an. Die Zunahmen lagen zwischen 0,46 und 2,60 Prozent pro Jahr. Der Median betrug rund 1,16 Prozent pro Jahr. Über das gesamte Jahrzehnt betrachtet entspricht das schon 11,60 Prozent. Die Entwicklung ist allerdings nicht gleichmäßig über Europa verteilt. Besonders deutlich sind die Zunahmen in Mitteleuropa. Das Muster reicht von Skandinavien im Norden bis nach Griechenland sowie von den Britischen Inseln bis nach Polen und in die Slowakei. Im mittleren und südlichen Teil der Iberischen Halbinsel zeigen sich dagegen kaum beziehungsweise keine entsprechenden Trends. Auch in Teilen Spaniens und auf Lampedusa wurde kein signifikanter Anstieg des Jahresmittels festgestellt.
Ergebnisse für Deutschland
In der Studie ist für Deutschland leider nur die Messstation Dortmund enthalten. Dort fällt der Trend besonders deutlich aus, denn zwischen 2013 und 2022 nahm die UV-Strahlung im Jahresmittel um 2 Prozent pro Jahr zu. Damit gehört Dortmund im Vergleich zu den anderen europäischen Stationen zu den Stationen mit einem starken UV-Anstieg. Auch auf Monatsebene ist eine Zunahme feststellbar. Für neun Monate wurden statistisch signifikante positive Trends festgestellt (Februar − Juni, August − November).
Warum nimmt die UV-Strahlung zu?
Die UV-Strahlung an der Erdoberfläche wird von mehreren Faktoren beeinflusst: unter anderem von der Ozonschicht, den Wolken, den Aerosolen in der Atmosphäre, den Sonnenstand, der Schneebedeckung und den Oberflächenreflexionen. Die naheliegendste Erklärung für die Zunahme der UV-Strahlung wäre eine Veränderung der Ozonschicht, denn Ozon absorbiert einen großen Teil dieser Strahlung. Jedoch fanden die Forschenden für den Zeitraum 2013 bis 2022 keinen signifikanten Rückgang der Gesamtozonsäule. An den 40 Standorten lagen die jährlichen Trends vielmehr zwischen −0,04 und +0,02 Prozent pro Jahr. Ein anhaltender Rückgang des Ozons kann damit als Erklärung für den beobachteten UV-Anstieg weitgehend ausgeschlossen werden.
Deutlich stärker ist dagegen der Zusammenhang mit der Bewölkung bzw. der Sonnenscheindauer. An 21 von 27 Stationen stimmten die Trends der Sonnenscheindauer und der UV-Strahlung überein. Zudem zeigte sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen den Veränderungen der Sonnenscheindauer und der UV-Strahlung. Nach Einschätzung der Autoren lassen sich die Veränderungen der UV-Strahlung daher zu einem großen Teil durch Veränderungen der Bewölkung erklären. Auch die großräumigen Satellitendaten zur globalen Sonneneinstrahlung zeigen ein ähnliches räumliches Muster wie die UV-Messungen. Die Autoren verweisen zudem auf Untersuchungen, nach denen Veränderungen der Wolkenbedeckung ungefähr 80 Prozent und Veränderungen der Aerosole rund 20 Prozent zu den beobachteten Änderungen der solaren Einstrahlung in Europa beitragen können.
Zusammenhang zum Klimawandel
Die Studie diskutiert insbesondere einen möglichen Zusammenhang zwischen den steigenden Temperaturen infolge des Klimawandels, den Veränderungen der relativen Luftfeuchtigkeit und der Bewölkung. Der mögliche Zusammenhang lässt sich vereinfacht so darstellen: Klimawandel → Erwärmung der Atmosphäre → Veränderung der Luftfeuchtigkeit und der Wolkenbedingungen → Zunahme der Sonneneinstrahlung → Zunahme der UV-Belastung. Das bedeutet allerdings nicht, dass der Klimawandel überall automatisch zu mehr UV-Strahlung führt. Die tatsächliche Entwicklung hängt von den regionalen Veränderungen von Wolken, Aerosolen, Ozon und anderen atmosphärischen Faktoren ab.
Bedeutung für die Gesundheit
Eine steigende UV-Belastung ist aus gesundheitlicher Sicht relevant. UV-Strahlung kann unter anderem Hautschäden verursachen und ist ein wichtiger Risikofaktor für Hautkrebs. Wie stark sich die in der Studie beobachteten Veränderungen tatsächlich auf die Zahl der Erkrankungen auswirken, lässt sich mit vereinfachten Modellen abschätzen. Laut der Studie könnte eine Zunahme der jährlichen UV-Exposition um 6 bis 26 Prozent langfristig mit einer Zunahme von Hautkrebserkrankungen von etwa 9 bis 59 Prozent verbunden sein. Für die Praxis bedeutet der Befund vor allem, dass der UV-Schutz weiterhin an Bedeutung gewinnt.
Fazit
Die UV-Strahlung hat in weiten Teilen Europas zwischen 2013 und 2022 zugenommen. Besonders deutlich ist der Trend in Mitteleuropa. Auch Deutschland ist betroffen. Die Ursache liegt nach den Ergebnissen der Studie vor allem in der Veränderung der Bewölkung und damit der Sonneneinstrahlung aufgrund des Klimawandels, aber nicht in einem Rückgang der Ozonschicht. Weil die gesundheitlichen Folgen einer langfristig höheren UV-Dosis schwer abzuschätzen sind, bleiben kontinuierliche Messungen und ein konsequenter UV-Schutz wichtige Bausteine der Vorsorge.