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Veränderungen des Klimas

Vergangene Klimaentwicklung in Bayern

Das Klima in Bayern verändert sich. Der langjährige Trend der Temperatur von 1951 bis 2019 liegt im Freistaat Bayern bei +1,9 °C. Auch konnte eine leichte Abnahme des Sommerniederschlages in diesem Zeitraum beobachtet werden. Die regionale Ausprägung von Temperatur- und Niederschlagsveränderung ist jedoch unterschiedlich und wird insbesondere von der Höhenlage bestimmt. Um die regionalen Unterschiede besser abzubilden, wurde Bayern in sieben zusammenhängende Klimaregionen unterteilt, die in sich möglichst ähnlich bezüglich Temperatur und Niederschlag sind. Schließlich ist das Klima des Alpenvorlandes stärker durch die Gebirgslage geprägt als beispielsweise die Flachlandregion um den Main. In allen Klimaregionen zeigt sich ein deutlicher Temperaturanstieg seit 1951: von +1,5 °C in den bayerischen Alpen bis +2,1 °C in der Donauregion. Während in den Alpen die Folgen des Klimawandels beispielsweise zum Abschmelzen der Gletscher und zum Auftauen der Permafrostböden führen, stellt in der dicht besiedelten Main- und Donauregion eine signifikante Zunahme von Hitzewellen die Bevölkerung vor planerische und gesundheitliche Herausforderungen.

 

Vergangene Klimaentwicklung in Deutschland und weltweit

Der Temperaturanstieg im Freistaat Bayern liegt mit +1,9 °C etwas über dem deutschlandweiten Mittel. Im Norden Deutschlands zeigt sich dabei aufgrund des maritimen Einflusses eine geringere Erwärmung als im Südosten. Während sich in den Alpen der Klimawandel durch Gletscherschmelze und Verlust von Permafrost zeigt, sind Küstenregionen von einem Anstieg des Meeresspiegels betroffen, der in der Deutschen Bucht bereits 41 cm in Bezug zur vorindustriellen Zeit beträgt [1].
Weltweit haben sich die Atmosphäre und die Ozeane erwärmt, Schnee- und Eismengen haben abgenommen und der Meeresspiegel ist gestiegen. Die globale Mitteltemperatur hat sich im Vergleich zur vorindustriellen Zeit (18501900) bereits um ca. 1,3 °C erhöht. Dabei erwärmen sich die Landflächen deutlich stärker als die Ozeane. Von den letzten zehn Jahren (20102020) waren weltweit acht unter den zehn wärmsten Jahren, die jemals beobachtet wurden. Dabei hat die Atmosphäre nur etwa 1 % der gesamten Energie aufgenommen, die durch menschliche Aktivitäten in das Klimasystem gelangte. Den allergrößten Teil dieser Energie – mehr als 90 % – speichern die Ozeane, die sich ebenfalls erwärmen. Die Wärmeaufnahme der Ozeane wirkt dabei aufgrund des großen Volumens und der hohen Wärmekapazität als Puffer und verlangsamt im gegenwärtigen Klimawandel die Erwärmung der Atmosphäre deutlich.

 

Klimaentwicklung in Zukunft

Um Aussagen über zukünftige Veränderungen des Klimas vornehmen zu können, muss man Annahmen über zukünftige soziale und wirtschaftliche Entwicklungen treffen. Wie wir durch unser Verhalten das Klima beeinflussen und welche politischen Maßnahmen zur Eindämmung der globalen Erwärmung getroffen und umgesetzt werden, ist also entscheidend dafür, welcher Klimazukunft wir gegenüberstehen werden. Gelingt es, wie im Pariser Abkommen vereinbart, die globale Erwärmung auf unter 2 °C zu begrenzen (sog. „2 °C-Obergrenze“), so wird, Klimamodellrechnungen zur Folge zwar die Temperatur in Bayern weiter ansteigen, sich jedoch langfristig stabilisieren. In Zahlen bedeutet dies, dass die mittlere Jahrestemperatur gegen Ende des Jahrhunderts um 1,1 °C (Median des Emissionsszenarios RCP 2.6) höher sein wird als die Durchschnittstemperatur der Referenzperiode (19712000) von 7,9 °C. Dagegen führt ein ungebremster Klimawandel, d.h. ein Szenario „ohne Klimaschutz“, zu einer langfristigen Erwärmung um +3,8 °C (Median des Emissionsszenarios RCP 8.5). Auch mit Einhaltung der 2 °C-Obergrenze werden in Bayern bereits in naher Zukunft Hitzetage mit Temperaturen von mindestens 30 °C und Tropennächte, in denen die nächtliche Lufttemperatur nicht unter 20 °C absinkt, zunehmen. Diese Projektionen zeigen, dass langfristig nur eine ambitionierte Klimapolitik die Erwärmung verlangsamen und ab 2050 vermutlich vollständig zum Stillstand bringen könnte. Ohne Klimaschutz wird sich dagegen die Erwärmung nahezu ungebremst fortsetzen und beispielsweise die Anzahl von Hitzetagen im Freistaat Bayern bis gegen Ende des Jahrhunderts verfünffachen.
Im Gegensatz zur Temperatur lässt sich die zukünftige Niederschlagsentwicklung nur schwer abschätzen, da von den Klimamodellen kein eindeutiger Trend aufgezeigt wird. Bei Begrenzung der globalen Erwärmung auf unter 2 °C zeichnen sich in Bayern keine eindeutigen Veränderungen des Niederschlags in den regionalen Klimamodellen ab. Im Szenario ohne Klimaschutz werden für die ferne Zukunft eher Abnahmen der Sommerniederschlagsmengen und Zunahmen in Winter- und Frühjahrsquartal erwartet. Zudem wird eine Zunahme von Starkniederschlägen und Trockenperioden projiziert, d.h. von Extremereignissen, die nicht nur in Bayern, sondern weltweit aufgrund des Klimawandels häufiger und intensiver werden könnten.
Mit weiter ansteigenden Temperaturen werden sich Dürren verschärfen, sowie Hitzetage, Tropennächte und Hitzewellen zunehmen. Neben diesen Extremereignissen bereiten vor allem sog. „Kippelemente“ der Klimaforschung Sorgen. Dabei handelt es sich um Komponenten des Klimasystems, wie z.B. das Grönländische oder Westantarktische Eisschild, der Permafrostboden oder die tropischen Korallenriffe, die durch langjährige Änderung der äußeren Bedingungen einen Grenzwert überschreiten und abrupt in einen neuen, völlig anderen Zustand „umkippen“, der möglicherweise unumkehrbar ist. So könnte es bereits bei einer globalen Erwärmung um 2 °C zu einem nicht umkehrbaren Abschmelzen des Grönländischen Eisschildes kommen. Für ein Szenario ohne Klimaschutz berechnen Klimamodelle bis zum Ende des Jahrhunderts einen Meeresspiegelanstieg um 40 cm, bei Einhaltung des Pariser Klimaabkommens ließe sich der Anstieg voraussichtlich noch auf 20 cm beschränken. Das Überschreiten einzelner Kipppunkte im Klimasystem könnte somit nicht nur die Lebensgrundlage vieler Menschen gefährden, sondern auch dazu führen, dass dominoartig weitere Kippelemente umgestoßen werden oder der projizierte Erwärmungstrend unvorhersehbare Ausmaße annimmt.

 

Quellen

[1] DWD (2020): Nationaler Klimareport. 4. korrigierte Auflage, Deutscher Wetterdienst, Potsdam, Deutschland, 54 Seiten. Stand Errata 8. Juni 2020.