Eine internationale Studie im Fachjournal Science zeigt, dass der Klimawandel die Wälder Europas im Laufe dieses Jahrhunderts deutlich stärker unter Druck setzen könnte als bisher. Weiterhin legen Modellrechnungen nahe, dass Waldbrände, Stürme und Insektenbefall künftig häufiger auftreten und damit Waldschäden in der Zukunft verstärken werden.
Ergebnisse
Die in der Studie durchgeführten Simulationen zeigen, dass die Schädigungsraten in ganz Europa im Laufe des 21. Jahrhunderts in allen Klimaszenarien ansteigen werden (Abb. 1). Am Ende des Jahrhunderts (2081 bis 2100) werden sie im Vergleich zu den letzten Jahrzehnten (1986 bis 2020) um bis zu +122 % unter Annahme eines RCP 8.5-Klimaprojektionssenarios (anhaltend hohe Treibhausgasemissionen) ansteigen. Bei mittleren und starken Klimaschutzmaßnahmen (entspricht RCP 4.5 bzw. RCP 2.6) ergeben sich +61 % und +31 %.
Abb. 1: Simulierte Schädigungsraten bis zum Ende des 21. Jahrhunderts für drei verschiedene RCP-Szenarien unter Berücksichtigung aller Schadensfaktoren (Brände, Stürme und Insektenbefall). Die Linien zeigen für Europa die durchschnittlichen jährlichen Schädigungsraten über alle Simulationen, wobei der 95 %-Konfidenzintervallbereich schattiert ist. Zur Veranschaulichung zeigen graue Balken die aus Fernerkundungsdaten abgeleiteten jährlichen Schädigungsraten (1990: 1986 bis 2000, 2010: 2001 bis 2020). Quelle: Studie im Fachjournal Science, abgerufen am 30.03.2026.
Außerdem zeigen die Modellrechnungen, dass sich die von Schäden betroffene Waldfläche in Europa bis zum Ende des Jahrhunderts deutlich vergrößern könnte (Abb. 2A für RCP 8.5). Besonders stark nehmen demnach Schäden durch Insektenbefall und Waldbrände zu. Insekten wie die Borkenkäfer profitieren von wärmeren Temperaturen und längeren Vegetationsperioden, während trockenere Sommer die Wahrscheinlichkeit von Waldbränden erhöhen. Auch Stürme bleiben ein zentraler Faktor. Wenn sie auftreten, können sie große Waldflächen innerhalb kurzer Zeit schädigen und damit weitere Schädigungen auslösen. Außerdem schaffen die umgefallenen Bäume ideale Bedingungen für den Insektenbefall durch die Borkenkäfer.
Abb. 2: (A) Flächenanteile in verschiedenen Waldregionen, in denen die Schäden im Klimaszenario RCP 8.5 zunehmen. (B) Simulierte Schädigungsraten für das 21. Jahrhundert im Klimaszenario RCP 8.5. Die Werte zeigen die mittleren Schädigungsraten über alle modellierten Jahre (2021 bis 2100). Graue Bereiche kennzeichnen nicht bewaldete Flächen. Quelle: Studie im Fachjournal Science, abgerufen am 30.03.2026.
Die Studienergebnisse zeigen deutliche regionale Unterschiede (Abb. 2B für RCP 8.5). Von Südfinnland bis nach Deutschland und Griechenland werden sich zukünftig Hotspot-Gebiete mit besonders hohen Schädigungsraten herausbilden. Das bedeutet zukünftige Schädigungsraten von größer 0,3 % pro Jahr, was mehr als dem Dreifachen der in den vergangenen Jahrzehnten beobachteten durchschnittlichen Schädigungsrate entspricht.
Die Forschenden prognostizieren tiefgreifende Auswirkungen auf die Walddemografie Europas, wobei der Anteil junger Wälder um bis zu 14 % im Vergleich zu Simulationen ohne verändertes Klima- und Schädigungsregime zunehmen wird. Dagegen wird der Anteil alter Wälder um bis zu 3 % abnehmen. Weiterhin betonen die Forschenden, dass die Entwicklung nicht allein vom Klima abhängt. Auch die Bewirtschaftung der Wälder spielt eine wichtige Rolle. Mischwälder und strukturell vielfältige Bestände gelten als widerstandsfähiger gegenüber Störungen als Monokulturen.
Untersuchungsmethoden
Die Abb. 3 zeigt das verwendete „Scaling Vegetation Dynamics“ - Modell (SVD) der Studie (mittlerer Teil der Abb. 3). Es verbindet ein mit Fernerkundungsdaten trainiertes Schadensmodell infolge von Waldbränden, Stürmen und Insektenbefall (linker Teil der Abb. 3) mit einem auf Deep Learning basierenden Waldentwicklungsmodell (rechter Teil der Abb. 3). Dabei beruht die Datenbasis des SVD-Modells auf zwei Hauptquellen. Einerseits wurden mit Hilfe von Fernerkundungsmethoden europaweit Waldschäden erfasst. Diese Daten wurden verwendet, um das Modell für Waldbrände, Stürme und Insektenbefall zu kalibrieren. Anderseits wurden verschiedene regionale Waldmodelle genutzt, um das Modell darauf zu trainieren, wie sich Wälder unter verschiedenen Klimabedingungen in der Zukunft entwickeln könnten. Dabei berücksichtigt das Modell auch Wechselwirkungen. Beispielsweise können Stürme große Mengen an geschwächtem Holz hinterlassen. Das sind ideale Brutstätten für Borkenkäfer, die die Wälder weiter schädigen. Mit dem SVD-Modell wurden Simulationen für ganz Europa in einer räumlichen Auflösung von 100 Metern durchgeführt (Abb. 3). Insgesamt wurden 187 Millionen Hektar Wald betrachtet.
Abb. 3: Dargestellt ist das verwendete dynamische SVD-Modell (Mitte). Es kombiniert ein mit Fernerkundungsdaten trainiertes Schadensmodell (links) mit einem auf Deep Learning basierenden Waldentwicklungsmodell (rechts). Quelle: Studie im Fachjournal Science, abgerufen am 30.03.2026.
Fazit
Die Modelle zeigen einen klaren Trend: Mit steigenden Temperaturen nehmen auch die Waldschäden künftig zu. Waldbrände, Stürme und Insektenbefall werden häufiger und intensiver auftreten. Wie stark die Folgen ausfallen, hängt jedoch nicht nur vom Klimawandel selbst ab, sondern auch davon, wie Europas Wälder künftig bewirtschaftet und an das Klima angepasst werden.