Antarktis im Wandel: Forscher erklären den Rückgang des Meereises

Über Jahrzehnte schien sich das antarktische Meereis dem globalen Erwärmungstrend zu entziehen. Seit dem Jahr 2015 hat sich das Bild jedoch verändert. Eine neue Studie in der Fachzeitschrift Science Advances zeigt nun, wie veränderte Windmuster, instabile Ozeanschichten, wärmeres Tiefenwasser und warme Luftmassen in Verbindung mit einer verstärkten Bewölkung zu einem raschen Eisverlust geführt haben.

Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse der Studie
Die Antarktis galt lange als Sonderfall des Klimawandels. Während die Arktis seit Jahrzehnten deutlich an Eis verliert, blieb die Entwicklung am Südpol widersprüchlich. Die Ausdehnung des antarktischen Meereises schwankte stark, zeigte jedoch bis zum Jahr 2015 keinen klaren langfristigen Rückgang. Genau diese Stabilität machte den plötzlichen Einbruch der letzten Jahre besonders bemerkenswert.

Eine aktuelle Studie in der Fachzeitschrift Science Advances rekonstruierte mit Hilfe eines Meereis-Ozean-Modells, wie es zu diesem Wandel kam. Laut den Forschenden gab es dabei keinen einzelnen Auslöser, sondern zum Meereisverlust führte ein Zusammenspiel mehrerer Prozesse (Abb. 1). 

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Ostantarktis: Das Aufsteigen warmen und salzigen Wassers, also die Einbringung von Wärme in die Mischschicht in den Jahren 2013 bis 2016 führten zum Meereisverlust. Westantarktis: Strahlungsflussanomalien in Verbindung mit einer verstärkten Bewölkung in den Jahren 2016, 2017, 2019 und 2020 fielen mit dem Beginn des Meereisverlusts zusammen.

Abb. 1: Ostantarktis: Das Aufsteigen warmen und salzigen Wassers, also die Einbringung von Wärme in die Mischschicht in den Jahren 2013 bis 2016 führten zum Meereisverlust. Westantarktis: Strahlungsflussanomalien in Verbindung mit einer verstärkten Bewölkung in den Jahren 2016, 2017, 2019 und 2020 fielen mit dem Beginn des Meereisverlusts zusammen. Quelle: Studie in der Fachzeitschrift Science Advances. Abgerufen am 27.05.2026.

Im Zentrum steht warmes und salzreiches Tiefenwasser („Circumpolar Deep Water“). Dieses Wasser befindet sich normalerweise in größeren Tiefen und bleibt dort durch stabil geschichtete Wassermassen von der Oberfläche getrennt. Genau diese Schichtung geriet laut Studie jedoch zunehmend aus dem Gleichgewicht. Die Forschenden beschreiben einen mehrstufigen Prozess: In den Jahren 2013 bis 2016 kam es infolge starker Westwinde über dem Südlichen Ozean zu besonders intensiven Durchmischungen des Ozeans. Dadurch wurde wärmeres Tiefenwasser näher an die Oberfläche transportiert. Das warme Wasser kam direkt mit den oberen, kalten Wasserschichten in Kontakt, so dass das Meereis von unten her zu schmelzen begann. Dieser Prozess war entscheidend für den Eisverlust in der Ostantarktis (Abb. 1). In der Westantarktis spielte dagegen auch die Atmosphäre eine wichtige Rolle (Abb. 1). Warme Luftmassen aus subtropischen Regionen sowie eine starke Wolkenbildung hielten zusätzliche Wärme im Ozean fest und verstärkten das Abschmelzen des Meereises zusätzlich. Die Folgen waren erheblich. Seit 2015 erreichte die antarktische Meereisausdehnung mehrfach Tiefstwerte, wobei die geringsten Ausdehnungen im Jahr 2023 (Sommer und Winter) gemessen wurden. Hinzu kommt ein Rückkopplungseffekt: Weniger Eis bedeutet, dass dunkles Meerwasser stärker der Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist und sich leichter erwärmt. Dadurch wird die Neubildung von Eis erschwert, also ein Kreislauf, der den Rückgang weiter verstärken könnte.

Die Veränderungen betreffen nicht nur die Region selbst. Das antarktische Meereis beeinflusst globale Ozeanströmungen und den Wärmeaustausch zwischen Atmosphäre und Meer. Zudem stabilisieren schwimmende Eisschelfe große Gletscher im Inneren des Kontinents. Werden diese Eisschelfe durch wärmeres Wasser geschwächt, können Gletscher schneller ins Meer fließen und als Konsequenz steigt der Meeresspiegel weiter an.

Fazit
Die neue Untersuchung liefert eine Erklärung für den raschen Meereisverlust in der Antarktis seit dem Jahr 2015. Entscheidend ist demnach das Zusammenspiel mehrere Prozesse. Der Eisverlust in der Antarktis verdeutlicht, wie eng Ozean, Atmosphäre und Meereis miteinander verbunden sind. Die Ergebnisse zeigen, wie empfindlich das antarktische System auf Klimaveränderungen reagiert.