Der neue „Lancet Countdown“- Bericht untersucht, wie sich der fortschreitende Klimawandel auf die Gesundheit der europäischen Bevölkerung auswirkt. Die Analyse zeigt: Extreme Hitze, die Ausbreitung neuer Infektionskrankheiten und die Zunahme von Allergien stellen Europas Gesundheitssysteme vor wachsende Herausforderungen.
Zusammenfassung der Ergebnisse
Eine zentrale Erkenntnis betrifft die zunehmende Belastung durch extreme Hitze. Europa erwärmt sich schneller als viele andere Regionen der Erde. Der Bericht dokumentiert, dass Hitzewellen häufiger, intensiver und länger auftreten als noch vor wenigen Jahrzehnten. Dies hat direkte Auswirkungen auf die Gesundheit, insbesondere bei älteren Menschen sowie Personen mit Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen. Die hitzebedingte Sterblichkeit hat schätzungsweise in fast allen europäischen Regionen im Zeitraum 2015–2024 zugenommen, mit einem durchschnittlichen Anstieg von jährlich 52 Todesfällen pro Million Einwohner im Vergleich zum Zeitraum 1991–2000. Die größten Zuwächse waren in Süd- und Südosteuropa zu verzeichnen (Abb. 1), aber auch in Bayern ist eine Zunahme erkennbar.
Abb. 1: Veränderung der hitzebedingten Sterblichkeit, ausgedrückt als Anstieg der jährlichen Todesfälle pro Million Einwohner in Europa, im Vergleich der Zeiträume 1991–2000 und 2015–24. Quelle: „Lancet Countdown“- Bericht. Abgerufen am 21.05.2026.
Darüber hinaus analysieren die Autoren die klimatischen Bedingungen für die Ausbreitung von Infektionskrankheiten. Besonders hervorgehoben wird das Dengue-Fieber. Dem Bericht zufolge hat sich im Zeitraum 2015–2024 die klimatische Eignung für eine Übertragung in Europa im Vergleich zum Zeitraum 1981–2010 um fast 300 Prozent erhöht. Steigende Temperaturen schaffen zunehmend günstige Bedingungen für invasive Mückenarten, die bislang vor allem aus tropischen Regionen bekannt waren. Damit wächst die Gefahr lokaler Ausbrüche auch in europäischen Ländern.
Auch die Auswirkungen auf Allergien und Atemwegserkrankungen werden thematisiert. Der Klimawandel verschiebt die Blütezeit von Pflanzen, die allergene Pollen freisetzen, was wiederum zur Zunahme von Erkrankungen wie allergischer Rhinitis, Bronchialasthma und Rhinokonjunktivitis führt. Birke und Erle zeigen in Osteuropa, den südlichen Britischen Inseln sowie den nördlichen Gebieten Frankreichs und Deutschlands eine Zunahme der saisonalen Schwere von etwa 15 bis 20 Prozent, begleitet von einer verlängerten Saisonzeit. Dadurch steigt die Belastung für Menschen mit allergischen Erkrankungen wie Heuschnupfen oder Asthma.
Gleichzeitig verweist der Bericht auf die Bedeutung der Luftqualität: Belastungen durch Feinstaub und andere Schadstoffe wirken sich negativ auf die Gesundheit vieler Menschen aus. So sind die negativen Gesundheitsauswirkungen im Vergleich zu 2010 um ein Viertel gestiegen. Der Bericht betont zudem, dass Klimaschutzmaßnahmen auch gesundheitliche Vorteile mit sich bringen können. Eine Reduktion fossiler Energieträger könne beispielsweise die Luftqualität verbessern und damit Erkrankungen der Atemwege und des Herz-Kreislauf-Systems verringern.
Fazit
Der neue „Lancet Countdown“- Bericht zeigt, dass die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels in Europa zunehmend messbar werden. Dabei spielen besonders Hitzeereignisse sowie Veränderungen bei Infektionskrankheiten und Allergien eine wichtige Rolle. Gleichzeitig macht die Analyse deutlich, dass Maßnahmen zum Klimaschutz auch positive Effekte für die öffentliche Gesundheit haben.