Nature-Studie: Moderate globale Erwärmung schließt extreme globale Klimafolgen nicht aus

Veröffentlicht am 22.04.2026

Lange Zeit galt: Wirklich extreme Klimafolgen drohen erst bei drei oder vier Grad globaler Erwärmung. Jedoch zeigt eine neue Studie im Fachjournal Nature, dass diese Annahme nicht zwingend stimmt. Schon eine moderate globale Erwärmung um zwei Grad kann laut der Studie bereits für extreme Risiken ausreichen.

Ergebnisse
Die Zwei-Grad-Marke gilt seit Jahren als politischer und wissenschaftlicher Referenzpunkt. Sie ist zentral im Pariser Klimaabkommen verankert. Implizit schwang dabei bisher eine Annahme mit: Unterhalb dieser Schwelle bleiben die Risiken zumindest in großen Teilen kontrollierbar. Die nun veröffentlichte Studie im Fachjournal Nature widerspricht dieser vereinfachten Sichtweise. Das zentrale Ergebnis ist, dass selbst bei einer globalen Erwärmung von zwei Grad klimatische Extremfolgen auftreten können, die bislang eher mit drei oder vier Grad in Verbindung gebracht wurden. 

Ansatz und Analysen
Der Ansatz der Studie unterscheidet sich von bisherigen Arbeiten (Abb. 1). Statt sich auf Mittelwerte zu konzentrieren, untersuchten die Forschenden gezielt die Bandbreite möglicher Entwicklungen. Insbesondere konzentrierten sie sich auf jene Klimaszenarien, in denen Veränderungen besonders stark ausfallen.

Bild
Für einen bestimmten Themenbereich (in der Nature-Studie: Starkregen, Dürre, Waldbrände) werden Projektionen mehrerer Klimamodelle auf einem bestimmten globalen Erwärmungsniveau (in der Nature-Studie: 2 °C) relativ zu vorindustriellen Klimabedingungen bewertet. Die bewerteten Projektionen definieren Klimaergebnisse, die von den höchsten bis zu den niedrigsten Werten reichen und als Worst-Case- und Best-Case-Klimaszenarien bezeichnet werden.

Abb.1: Für einen bestimmten Themenbereich (in der Nature-Studie: Starkregen, Dürre, Waldbrände) werden Projektionen mehrerer Klimamodelle auf einem bestimmten globalen Erwärmungsniveau (in der Nature-Studie: 2 °C) relativ zu vorindustriellen Klimabedingungen bewertet. Die bewerteten Projektionen definieren Klimaergebnisse, die von den höchsten bis zu den niedrigsten Werten reichen und als Worst-Case- und Best-Case-Klimaszenarien bezeichnet werden. Quelle und Details zur Abbildung: Studie im Fachjournal Natureabgerufen am 22.04.2026.

Im Zentrum der Analysen standen drei zentrale Risiken:

  • Starkniederschläge in dicht besiedelten Gebieten
  • Dürren in landwirtschaftlichen Schlüsselregionen
  • Bedingungen für großflächige Waldbrände

Einige Klimamodelle zeigen eine deutliche Intensivierung von Starkniederschlägen bereits bei 2 Grad globaler Erwärmung. Das erhöht das Risiko von Überschwemmungen erheblich. Die zugrunde liegenden Prozesse etwa Veränderungen in der atmosphärischen Zirkulation oder bei der Wolkenbildung unterscheiden sich von Modell zu Modell deutlich. Das führt dazu, dass nicht nur die Höhe der Erwärmung entscheidend ist, sondern auch, wie sie im Detail modelliert wird.

Besonders eindrücklich ist das auch beim Themenbereich Dürre. In wichtigen Agrarregionen steigt das Risiko von Dürren deutlich an. Entscheidend ist dabei, dass diese hohen Risiken nicht erst bei 3 oder 4 Grad auftreten, sondern bereits bei 2 Grad Erwärmung. In einzelnen Projektionen übertreffen sie sogar die durchschnittlichen Projektionen für deutlich höhere Erwärmungsniveaus.

Ein ähnliches Bild ergibt sich bei Waldbränden: In einigen Projektionen nehmen feuerfördernde Bedingungen durch das Zusammenspiel von Hitze, Trockenheit und Wind stark zu. Auch hier liegen die höchsten Risiken nicht zwingend in den Szenarien mit der stärksten Erwärmung, sondern ergeben sich aus spezifischen Modellannahmen.

Die Studie rückt damit ein grundlegendes Problem in den Fokus: Mittelwerte können trügerisch sein. Sie glätten Extreme und verdecken, wie stark einzelne Entwicklungen tatsächlich ausfallen können. Die Studie zeigt, dass eine moderate Erwärmung nicht automatisch moderate Klimafolgen bedeuten.

Fazit
Die neue Analyse verschiebt den Blick auf Klimarisiken grundlegend. Nicht nur die wahrscheinlichsten Entwicklungen zählen, sondern auch plausible Extremfälle. Selbst zwei Grad globale Erwärmung können gravierende Folgen haben.