Der Klimawandel stellt eine zunehmende Bedrohung für die europäische Gesellschaft dar. Klimabedingte Extremereignisse wie Überschwemmungen, Hitzewellen, Waldbrände oder Dürren treten mit fortschreitender globaler Erwärmung immer häufiger und intensiver in Europa auf. Bisher gab es kaum Untersuchungen darüber, inwieweit der fortschreitende Klimawandel und die Klimaanpassungsmaßnahmen insbesondere in Bezug auf einzelne europäische Haushalte wahrgenommen werden. Ein neu vorliegender Bericht der Europäischen Umweltagentur (EEA) und der Europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (Eurofound) schließt diese Lücke (Abb. 1). Der Bericht basiert auf einer Online-Umfrage unter mehr als 27.000 Befragten in 27 europäischen Ländern. Insbesondere stellt er die Erfahrungen und Sorgen der Befragten mit den derzeitigen und zukünftigen Auswirkungen des Klimawandels sowie mit den Maßnahmen zur Klimaanpassung dar, die sie zu Hause ergriffen und in ihrer Nachbarschaft beobachtet haben.
Abb. 1: Titelbild des Berichtes. Quelle: Bericht, abgerufen am 07.04.2026.
Zentrale Erkenntnisse
Klimawandel ist längst Alltag
- Mehr als 80 % der Befragten gaben an, in den letzten 5 Jahren von mindestens einer Klimafolge (Hitze, Überschwemmungen, Waldbrände, Wasserknappheit, Sturmschäden, vermehrte Insektenstiche) betroffen gewesen zu sein (Abb. 2).
- Hitze war das dominierende Problem: Fast die Hälfte der Befragten empfand es als zu heiß in ihrer Wohnung, dem Arbeitsplatz oder ihrer Bildungseinrichtung, während über 60 % der Befragten von extremer Hitze im Freien berichteten (Abb. 2).
Fazit: Der Klimawandel wird nicht mehr nur als Zukunftsrisiko wahrgenommen, sondern als konkrete Belastung im Alltag.
Abb. 2: Anteil der Befragten, die in ihrer europäischen Region Auswirkungen des Klimawandels in den letzten 5 Jahren erlebt haben. Quelle: Bericht, abgerufen am 07.04.2026.
Große Sorgen – aber begrenzte Vorbereitung
- Eine Mehrheit der Befragten ist besorgt über die zukünftigen Klimaauswirkungen, insbesondere:
- 52 % der Befragten zeigten sich sehr oder ziemlich besorgt über hohe Temperaturen (Abb. 3)
- 49 % waren sehr oder ziemlich besorgt über Waldbrände (Abb. 3)
- Gleichzeitig zeigt der Bericht:
- Jeder fünfte Befragte verfügte über keine der in der Umfrage aufgeführten Anpassungsmaßnahmen im Haushalt, die dem Schutz dienen (z. B. Beschattung, Klimaanlage oder ausreichende Belüftung, Hochwasserschutz, Regenwassersammlung, Versicherung gegen Extremwetter, Notstromversorgung und Notfallausrüstung)
Fazit: Es gibt eine Diskrepanz zwischen Risikowahrnehmung und tatsächlicher Klimaanpassung.
Abb. 3: Prozentualer Anteil der Befragten, die sich Sorgen über die nachgefragten künftigen Klimaauswirkungen machen. Quelle: Bericht, abgerufen am 07.04.2026.
Anpassung hängt stark vom Einkommen ab
- Haushalte mit höherem Einkommen setzen deutlich häufiger Maßnahmen um:
- z. B. Beschattung, Kühlung durch Klimaanlagen, Dämmung
- Über 38 % aller Befragten gaben an:
- sich Kühlung im Sommer in ihrer Wohnung nicht leisten zu können
Fazit: Klimaanpassung wird zunehmend zu einer sozialen Frage.
Unterschiede hinsichtlich der Betroffenheit
Der Bericht zeigt deutliche Unterschiede:
- Ältere Menschen und gesundheitlich eingeschränkte Personen sind:
- stärker betroffen
- aber gleichzeitig oft weniger gut geschützt
- Unterschiede gibt es auch hinsichtlich:
- der Urbanisierung: Städte vs. ländliche Regionen
- der Region in Europa: Klimaauswirkungen wurden am stärksten in Süd- und Mittelosteuropa wahrgenommen und am wenigsten in Nordeuropa.
Fazit: Besonders gefährdete Gruppen sind oft am wenigsten resilient und es gibt regionale Unterschiede in der Wahrnehmung der Klimaauswirkungen.
Maßnahmen vor Ort sichtbar
- Viele Befragte nehmen lokale Maßnahmen wahr (z. B. Begrünung, Hitzeschutzpläne, Informationskampagnen)
- Aber, diese wirken häufig nur punktuell und reichen nicht aus, um den wachsenden Risiken strukturell zu begegnen
Fazit: Klimaanpassungsmaßnahmen werden wahrgenommen, aber wirken nicht tiefgreifend genug.
In der Gesamtschau des Berichtes entsteht ein klares Bild: Europa ist klimatisch bereits belastet, gesellschaftlich jedoch nur teilweise darauf vorbereitet. Viele Menschen erkennen die Risiken des Klimawandels – doch strukturelle, soziale und ökonomische Barrieren verhindern oftmals eine angemessene Anpassung. Genau hier sehen die Verfasser des Berichts den größten Handlungsbedarf.