Nach dem kürzlich erschienenen Bericht „European State of the Climate (ESOTC)“ war das vergangene Jahr 2025 ein Jahr mit außergewöhnlich hohen Temperaturen und anhaltendem Gletscherschwund. Der Bericht zeigt erneut, dass sich Europa und insbesondere die Arktis weiterhin deutlich schneller erwärmen als andere Regionen der Erde.
Was ist der ESOTC-Bericht?
Der ESOTC-Bericht wird vom Copernicus Climate Change Service (C3S) am ECMWF (Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage) und der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) erstellt. Der aktuelle Bericht enthält Analysen zum Klimawandel in Europa für das Jahr 2025, wobei wichtige Klimavariablen und Ereignisse sowie deren Auswirkungen behandelt werden. Der Bericht ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit von rund 100 Wissenschaftlern.
Ausgewählte Ergebnisse
Der Bericht macht erneut deutlich: Das Jahr 2025 gehörte zu den wärmsten Jahren seit Beginn der Messungen. Praktisch der gesamte europäische Kontinent lag über dem langjährigen Temperaturmittel. Besonders stark fiel die Erwärmung in Nord- und Osteuropa aus, also in Regionen, die früher als vergleichsweise kühl galten. Die Abb. 1 verdeutlicht, dass sowohl die Lufttemperatur über den Landflächen als auch die Wasseroberflächentemperatur der europäischen Meere außergewöhnlich hoch waren. Zudem erwärmt sich der Frühling in Europa langsamer als die anderen Jahreszeiten. Dagegen erwärmt sich der Winter am schnellsten in weiten Teilen Mittel- und Osteuropas. In Westeuropa sind die Temperaturzunahmen im Sommer am höchsten. Außerdem war die jährlich gemittelte Meeresoberflächentemperatur im europäischen Meeresgebiet die höchste seit Beginn der Aufzeichnungen (Abb. 1).
Abb. 1: Lufttemperatur an der Erdoberfläche (oberer Teil der Abbildung): In fast ganz Europa (mindestens 95 % der Landfläche) lagen die Jahrestemperaturen im Jahr 2025 über dem Durchschnitt. Im Jahr 2025 kam es in Europa zur zweitstärksten Hitzewelle seit Beginn der Aufzeichnungen. Meeresoberflächentemperatur (unterer Teil der Abbildung): Die jährlich gemittelte Meeresoberflächentemperatur im europäischen Meeresgebiet war die höchste seit Beginn der Aufzeichnungen. Ein Rekordanteil des europäischen Meeresgebiets von 86 % war von mindestens „starken“ marinen Hitzewellen betroffen. Quelle: „European State of the Climate (ESOTC) 2025“. Abgerufen am 12.06.2026.
Die Abb. 2 zeigt, dass sich Europa und insbesondere die Arktis deutlich schneller erwärmen als der globale Durchschnitt. Während die globale Mitteltemperatur seit Jahrzehnten kontinuierlich steigt, schießt die Temperatur in der Arktis regelrecht nach oben. Schwindendes Meereis verstärkt diesen Effekt zusätzlich, denn wo früher helles Eis Sonnenlicht reflektierte, absorbiert nun dunkles Meereswasser die Wärme. Dadurch entsteht ein sich selbst verstärkender Kreislauf. Die Folgen dieser Entwicklung werden inzwischen in ganz Europa sichtbar. In Teilen Nordskandinaviens wurden im Sommer Temperaturen von über 30 Grad in der Nähe bzw. innerhalb des Polarkreises gemessen. Gleichzeitig litten große Teile Südeuropas unter außergewöhnlich langen Hitzewellen und Trockenperioden. Viele Flüsse führten über Monate hinweg zu wenig Wasser, während Waldbrände enorme Flächen zerstörten.
Abb. 2: Die sich am schnellsten erwärmenden Regionen der Erde. Angegeben ist die Temperaturerhöhung pro Dekade der letzten 30 Jahre. Quelle: „European State of the Climate (ESOTC) 2025“. Abgerufen am 12.06.2026.
Die Abb. 3 verdeutlicht, wie massiv die Eisverluste der europäischen Gletscher inzwischen sind. Die Kurven aller europäischen Gletscherregionen weisen seit Jahrzehnten nahezu ununterbrochen nach unten. Die Grafik macht sichtbar, dass sich der Verlust in den vergangenen Jahren deutlich beschleunigt hat. Im Jahr 2025 verloren sämtliche Gletscherregionen netto an Masse. Island verzeichnete sogar den zweitgrößten Gletscherschwund seit 1976. In Zentraleuropa gab es einen durchschnittlichen Gletschermassenverlust von 1,38 Meter Wasseräquivalent. Besonders problematisch ist dabei, dass viele Regionen inzwischen mehrere extreme Verlustjahre hintereinander erlebten. Der Bericht zeigt zudem, dass der Gletscherschwund längst globale Auswirkungen hat. Weltweit verloren die Gletscher seit 1976 rund 9.580 Gigatonnen Eis. Das ist genug Eis, um den Meeresspiegel um 26,4 Millimeter anzuheben. Allein 2025 gingen weltweit rund 410 Gigatonnen Eis verloren.
Abb. 3: Kumulative Massenveränderung der europäischen Gletscherregionen. Jährliche Daten nach Region, in Gigatonnen. Quelle: „European State of the Climate (ESOTC) 2025“. Abgerufen am 12.06.2026.
Fazit
Der ESOTC-Bericht dokumentiert nicht nur neue Temperaturrekorde an Land und im Meer, sondern auch die verstärkten Auswirkungen des Klimawandels auf die europäischen Gletscher. Europa bleibt einer der am stärksten von der Erderwärmung betroffenen Kontinente.