Die Folgen des Klimawandels wirken sich auf die gesamte Bevölkerung aus, jedoch treffen sie nicht alle Menschen gleichermaßen. Sie wirken sich besonders stark auf Bevölkerungsgruppen aus, die bereits heute mit gesundheitlichen, sozialen oder wirtschaftlichen Benachteiligungen leben. In diesem Zusammenhang hat das Forschungsprojekt „Soziale Dimensionen von Klimawandelfolgen“ des Umweltbundesamtes untersucht, welche Bevölkerungsgruppen besonders betroffen sind und wie Klimaanpassung sozial gerechter gestaltet werden kann.
Ergebnisse
Der Klimawandel wird sehr oft hauptsächlich als Umweltproblem wahrgenommen. Seine Folgen reichen jedoch weit darüber hinaus, denn sie beeinflussen unter anderem auch die Gesundheit, die Lebensqualität, das Wohlbefinden, die finanzielle Sicherheit und die gesellschaftliche Teilhabe ganzer Bevölkerungsgruppen. Genau hier setzt das vom Umweltbundesamt geförderte Forschungsprojekt „Soziale Dimensionen von Klimawandelfolgen“ an. Ziel war es, die sozialen Auswirkungen des Klimawandels in Deutschland systematisch zu untersuchen und daraus konkrete Handlungsempfehlungen für eine sozial gerechte Klimaanpassung abzuleiten. Dazu wurden 250 internationale Publikationen ausgewertet.
Ein wichtiges Ergebnis der Studie lautet, dass Klimarisiken häufig bestehende soziale Ungleichheiten verstärken. Menschen mit geringem Einkommen, gesundheitlichen Einschränkungen oder mit niedrigem sozioökonomischem Status verfügen oft über geringere Möglichkeiten, sich gegen die Klimafolgen zu schützen. Gleichzeitig leben sie häufiger in Wohnlagen, die besonders von Hitze betroffen sind. So sind ältere Menschen, Kinder, Pflegebedürftige oder Personen, die im Freien arbeiten, überdurchschnittlich belastet. Wer über wenige finanzielle Mittel verfügt, kann beispielsweise Wohnräume oft nur eingeschränkt an die steigenden Temperaturen anpassen oder in kühlere Wohnlagen umziehen.
Auch bei Hochwasser- und Starkregenereignissen (Abb. 1) zeigt sich laut der Studie eine soziale Dimension. Nicht nur Alter, Geschlecht, Bildung und Einkommen spielen eine Rolle, sondern auch die körperliche und psychische Verfassung einer Person. Ob man in Eigentum oder zur Miete wohnt, ist ebenso wichtig. Eigentümer können ihr Haus zwar vorsorglich besser schützen, tragen aber in der Wiederaufbauphase das höhere finanzielle Risiko. Dagegen haben Mieter weniger Einfluss auf bauliche Schutzmaßnahmen.
Abb. 1: Überschwemmung am Fluss Aisch im Landkreis Erlangen-Höchstadt im Juli 2021. Foto: Hajo Dietz, Nürnberg Luftbild.
Aus den Ergebnissen leitet die Studie mehrere Handlungsempfehlungen ab. Anpassungsmaßnahmen müssen die komplexen Wechselwirkungen zwischen Klimawandel, sozialer Benachteiligung und Vulnerabilität berücksichtigen. Statt isolierter Betrachtungen braucht es handlungsfeldübergreifende Analysen, die die konkreten Lebenswelten und Lebensphasen der Betroffenen einbeziehen. Weiterhin gehören zu den Empfehlungen eine stärkere Berücksichtigung sozialer Aspekte, zielgruppenspezifische Informations- und Unterstützungsangebote sowie die stärkere Beteiligung betroffener Bevölkerungsgruppen bei Planungs- und Entscheidungsprozessen. Außerdem müssen strukturelle Rahmenbedingungen geschaffen werden, wie beispielsweise Einführung von flexibleren Arbeitszeiten, angepasste Öffnungszeiten öffentlicher Einrichtungen und der Ausbau von Schutzinfrastrukturen.
Fazit
Das Forschungsprojekt macht deutlich, dass Klimawandelfolgen immer auch eine soziale Dimension besitzen. Wer bereits heute gesundheitlich, sozial oder wirtschaftlich benachteiligt ist, trägt oft auch ein höheres Klimarisiko. Eine vorausschauende Anpassungspolitik sollte deshalb Klimaschutz, Klimaanpassung und soziale Fragen stärker miteinander verknüpfen. Nur so lassen sich die Belastungen des Klimawandels fair und wirksam begrenzen.