Winterbulletin zum Alpenklima veröffentlicht: Inversionswetterlagen und Niederschlagsarmut sorgen für markanten Schneemangel im Winterhalbjahr 2025/26

Veröffentlicht am 19.06.2026

Eine Analyse im neu erschienenen Winterbulletin des Deutschen Wetterdienstes, der GeoSphere Österreich und des Bundesamtes für Meteorologie und Klimatologie der MeteoSchweiz zeigt, dass das hinter uns liegende Winterhalbjahr 2025/26 in vielen Bereichen ungewöhnlich war. Das Wetter in den Zentral- und Ostalpen war überwiegend von Hochdruck mit viel Sonnenschein bestimmt. Es gab insgesamt wenig Schnee. Doch anders als vermutet, lag die Ursache des Schneemangels nicht allein an den hohen Temperaturen. Die geringen Schneemengen wurden vor allem durch die außergewöhnliche Trockenheit des Winters verursacht. Gleichzeitig sorgten häufige Inversionswetterlagen für ein charakteristisches Bild: Sonnenschein und milde Luft auf den Bergen, Nebel und Kälte in den Tälern.

Winterhalbjahr 2025/26: Zu warm, zu trocken, zu sonnig
Zwischen November 2025 und April 2026 dominierten über weite Strecken Hochdruck geprägte Wetterlagen. Das Ergebnis waren überdurchschnittlich viele Sonnenstunden, relativ milde Temperaturen und vor allem ein ausgeprägter Niederschlagsmangel (Abb. 1). Mit +1,1 °C gegenüber dem Klimamittel (1991–2020) setzte sich der Erwärmungstrend fort. Allerdings war es etwas weniger warm als das vorangegangene Winterhalbjahr mit +1,6 °C. Gleichzeitig fiel deutlich weniger Niederschlag als üblich, und die Schneehöhen blieben vielerorts weit unter dem Durchschnitt. Die mittleren Schneehöhen in den hohen Lagen gehörten zu den fünf niedrigsten seit Beginn der gemeinsamen Vergleichsreihe. In tieferen Lagen erreichte der Winter sogar Rang vier der schneeärmsten Winterhalbjahre.

Bild
Monatliche Abweichungen im Winterhalbjahr 2025/26 im Vergleich zur Referenzperiode 1991–2020 für die Temperatur und die Sonnenscheindauer (beide für Hoch- und Tieflagen), sowie für den Niederschlag und die Schneehöhe (jeweils für Nord- und Südalpen).

Abb. 1: Monatliche Abweichungen im Winterhalbjahr 2025/26 im Vergleich zur Referenzperiode 1991–2020 für die Temperatur und die Sonnenscheindauer (beide für Hoch- und Tieflagen), sowie für den Niederschlag und die Schneehöhe (jeweils für Nord- und Südalpen). Quelle: Winterbulletin 2025/26. Abgerufen am 12.06.2026.

Schneemangel durch Trockenheit
Zwar war das Winterhalbjahr 2025/26 überdurchschnittlich warm, doch die Temperaturen allein können den außergewöhnlichen Schneemangel nicht erklären. Im Januar lagen die Temperaturen zeitweise sogar leicht unter dem langjährigen Mittel. Entscheidend war vielmehr, dass über Monate hinweg ergiebige Niederschläge ausblieben. In den Nordalpen war es der zweittrockenste Winter seit 1991, in den Südalpen sogar der trockenste. Besonders zwischen Dezember und Anfang Februar fehlten vielerorts bis zu 70 Prozent der üblichen Niederschlagsmengen. Erst im Februar brachte eine Serie von Tiefdruckgebieten mehr Niederschlag. Regional wuchs die Schneedecke sogar kurzfristig an. Doch die Niederschläge reichten nicht aus, um die zuvor entstandenen Defizite auszugleichen. Als auch der März und der April außergewöhnlich trocken verliefen, blieb die Schneelage bis zum Ende des Winterhalbjahres deutlich unter dem Durchschnitt.

„Oben blau, unten grau“ – Inversionswetterlagen
Ein weiteres prägendes Merkmal des Winters 2025/26 waren zahlreiche Inversionswetterlagen. Dabei kehrt sich die übliche Temperaturverteilung um: Während es in den Tälern kalt bleibt und sich Nebel hält, gibt es auf den Bergen Sonne und milde Temperaturen. Bedingt durch diese Inversionswetterlagen war die Temperaturabweichung in den Hochlagen im Vergleich zum vieljährigen Mittel (1991–2020) größer als in den außeralpinen Tieflagen. Besonders ausgeprägt war dies im Dezember mit einer positiven Abweichung von 3,4 °C in Lagen oberhalb von 1.500 Metern im Vergleich zu einer Abweichung von +2 °C in den tiefen Lagen. Diese Wetterlagen hatten mehrere Folgen. Einerseits sorgten sie für ungewöhnlich viele Sonnenstunden in den Bergen, bei Nebel in Tallagen. Andererseits verhinderten sie die Bildung größerer Niederschlagsgebiete und damit auch ergiebige Schneefälle. 

Fazit
Das Winterhalbjahr 2025/26 reiht sich in eine Serie ungewöhnlicher Alpenwinter ein. Der langfristige Erwärmungstrend setzte sich fort, doch die wichtigste Ursache für den ausgeprägten Schneemangel war die außergewöhnliche Trockenheit. Gleichzeitig prägten langanhaltende Inversionslagen das Wettergeschehen und sorgten für ein typisches Winterbild mit Sonnenschein auf den Bergen und Nebel in den Tälern.