Emissionsszenarien sind zukünftige Entwicklungspfade der atmosphärischen Treibhausgaskonzentration. Sie sind ein grundlegendes Glied in der Modellkette zur Abschätzung der zukünftigen Entwicklung des Klimawandels. Der 5. Sachstandsbericht des Weltklimarats (IPCC) bezog sich auf die sogenannten RCP (Representative Concentration Pathway) - Emissionsszenarien. Der 6. Sachstandsbericht des Weltklimarats (IPCC) führte SSP-Szenarien (Shared Socioeconomic Pathways, gemeinsame sozioökonomische Entwicklungspfade) ein, dies sind sozioökonomische Szenarien.
Für eine ganzheitliche Betrachtung fasst der Weltklimarat die beiden beschriebenen Ansätze zusammen. Er kombiniert also die Klimaziele und mit den sozioökonomischen Szenarien. So arbeitet er deutlich heraus, welche Klimazukunft auf welchem Weg erreichbar ist – und welche Herausforderungen das jeweils bedeuten wird. Wichtige Kombinationen sind zum Beispiel:
- 1,5-Grad-Weg (SSP1-1.9): Szenario „Nachhaltigkeit“, kombiniert mit sehr geringen Emissionen; entspricht 1,5-Grad-Ziel des Pariser Abkommens
- 2-Grad-Weg (SSP1-2.6): Szenario „Nachhaltigkeit“, kombiniert mit reduzierten Emissionen
- Mittelweg (SSP2-4.5): Szenario „Weiter wie bisher“, kombiniert mit mittleren Emissionen
- Konfliktreicher Weg (SSP3-7.0): Szenario „regionale Rivalitäten“, kombiniert mit hohen Emission
- FossilerWeg (SSP5-8.5): Szenario „fossile Entwicklung“, kombiniert mit sehr hohen Emissionen; kein Klimaschutz
Abbildung: Entwicklung der Emissionen bei verschiedenen Entwicklungspfaden. Quelle: IPCC 2021, verändert.
Diese Kombinationen zeigen, unter welchen Voraussetzungen es gelingen kann, den Klimawandel zu mildern und die Erwärmung auf 2 oder besser noch 1,5 Grad zu begrenzen, so dass auch die Anpassung an die Folgen noch möglich ist. Einige wichtige Beispiele sind:
- Das 1,5-Grad-Ziel, das so wichtig für den Schutz der Kippunkte ist, kann nur auf dem „nachhaltigen und grünen Weg“ erreicht werden, wenn die Emissionen zusätzlich reduziert werden(SSP1 bzw. RCP 1.9) – und das auch nur, wenn ab etwa 2050 Kohlendioxid aus der Atmosphäre entzogen wird, zum Beispiel durch die Nutzung von Bioenergie und der anschließenden Abscheidung und Speicherung des entstehenden Kohlendioxids.
- Ein wiedererstarkender Nationalismus mit internationalen Rivalitäten macht es sehr schwer, global zusammenzuarbeiten (SSP3). Sogar bei guter technischer Entwicklung kann nicht einmal das 2-Grad-Ziel, bei dem wenigstens die Folgen einigermaßen abschätzbar bleiben, erreicht werden. Das Risiko, die notwendigen Transformationen unter diesen Umständen nicht in Gang zu bringen, ist also sehr hoch.
- Bei starker weltweiter Ungleichheit wird es selbst bei einer rasanten technologischen Entwicklung sehr schwer, das 1,5-Grad-Ziel einzuhalten (SSP4). Auch unter diesen Bedingungen ist das Risiko sehr hoch, dass die notwendigen Veränderungen nicht rechtzeitig eingeleitet werden können.