Die Erdatmosphäre erwärmt sich nicht nur weiter – sie tut es offenbar auch immer schneller. Statistische Analysen mehrerer globaler Temperaturreihen zeigen in einer Studie im Fachjournal Geophysical Research Letters, dass die globale Erwärmungsrate in den letzten rund zehn Jahren deutlich zugenommen hat. In der Folge könnten wir vor 2030 die 1,5-Grad-Schwelle des Pariser Klimaabkommens überschreiten.
Methoden und Ergebnisse
Um den Temperaturtrend zu bestimmen, haben die Forschenden fünf etablierte globale Temperaturdatensätze analysiert (NASA GISTemp, NOAA GlobalTemp, HadCRUT5, Berkeley Earth Surface Temperature, ERA5). Ein zentrales Problem bei solchen Trendanalysen ist die natürliche Klimavariabilität, denn El-Niño-Ereignisse, große Vulkanausbrüche oder Schwankungen der Sonnenaktivität können kurzfristig die globale Temperatur beeinflussen. Die Abbildung 1 zeigt, wie stark diese drei Prozesse kurzfristige Temperaturschwankungen verursachen können.
Abb. 1: Auswirkungen von El Niño-Ereignissen, Vulkanismus und Sonnenvariabilität auf die globale Temperatur. Quelle: Studie in Geophysical Research Letters, abgerufen am 16.03.2026.
So lösen El-Niño-Ereignisse zeitweise Erwärmungsschübe und Abkühlungen aus. Zudem können Aerosole aus Vulkanausbrüchen die Atmosphäre zeitweise abkühlen. Die Schwankungen der Sonnenstrahlung führen zu kurzfristigen Temperaturerhöhungen. Diese Einflüsse zusammen können kurzfristige Ausschläge zwischen -0,30 °C und 0,22 °C auslösen (siehe Abb. 1). Jedoch erklären sie nicht die langfristige Erderwärmung. Deshalb entfernten die Forschenden diese Effekte rechnerisch aus den Temperaturreihen. Als Ergebnis erhielten sie deutlich glattere Datenreihen mit einer reduzierten Variabilität. Auch wurden langfristige Trendänderungen besser erkennbar. Wie die Autoren betonen, machte genau dieser Schritt eine statistisch signifikante Beschleunigung der Erderwärmung sichtbar. Sie konnten mit über 98 Prozent statistischer Sicherheit einen Anstieg der Erwärmungsrate in den letzten rund zehn Jahren nachweisen. Dazu zeigt die Abbildung 2, wie sich die Geschwindigkeit der Erwärmung seit 1970 verändert hat.
Abb. 2: Erwärmungsrate in °C pro Jahrzehnt, geschätzt anhand einer quadratischen Anpassung (braune Linie mit grauer Schattierung für das 95 %-Konfidenzintervall), eines stückweise linearen Fits (blaue Linie mit hellblauer Schattierung für das 95 %-Konfidenzintervall) und einer linearen Regression mit gleitendem 10-Jahres-Fenstern (rote Linie). Quelle: Studie in Geophysical Research Letters, abgerufen am 16.03.2026.
Die Forscher nutzten zur Analyse verschiedene statistische Ansätze. Der erste Ansatz geht davon aus, dass sich die Erwärmung wie eine quadratische Funktion der Zeit verhält (braune Linie). Die zweite Analyse beruht auf einem stückweise linearen Modell. Dieses teilt die Zeit in Zehnjahresabschnitte und ordnet jedem Abschnitt eine lineare Steigung zu (blaue Linie). Eine weitere Analyse beruht auf einer linearen Regression mit einem gleitenden 10-Jahres-Fenster (rote Linie). Das Ergebnis ist, dass die Rate der globalen Erwärmung ab dem Jahr 2015 einen deutlichen Sprung zeigt. Seit etwa zehn Jahren heizt sich die Erde demnach um rund 0,35 Grad pro Jahrzehnt auf. Das ist ein deutlicher Bruch mit dem zuvor seit den 1970er Jahren stabilen Trend von etwa 0,2 Grad pro Jahrzehnt. Dagegen kann der quadratische Ansatz (braune Linie) den realen Verlauf nicht widerspiegeln.
Setzt sich das derzeitige Erwärmungstempo fort, könnte die globale Durchschnittstemperatur bereits vor 2030 dauerhaft über der 1,5-Grad-Schwelle des Pariser Klimaabkommens liegen. Als mögliche Ursache für die beschleunigte Erwärmung nennen andere Studien beispielsweise die Verringerung der Luftverschmutzung. Denn Schwefeldioxidaerosole haben eine kühlende Wirkung in der Atmosphäre, weil sie Sonnenlicht reflektieren und als Kondensationskeime die Bildung kühlender Wolken fördern.
Fazit
Statistische Analysen mehrerer globaler Temperaturreihen zeigen, dass sich die Erwärmungsrate seit etwa der Mitte der 2010er-Jahre erhöht hat. Bleibt das Tempo bestehen, könnte die 1,5-Grad-Schwelle des Pariser Klimaabkommens schon vor 2030 überschritten werden.