WMO-Bericht: Das Klima der Erde gerät zunehmend aus dem Gleichgewicht

Veröffentlicht am 08.04.2026

Der jüngste Bericht der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) bestätigt, dass die Jahre 2015 bis 2025 die elf wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen waren. Zudem zeigt sich, dass das Ungleichgewicht zwischen Energieaufnahme und -abgabe der Erde weiter anwächst und die Ozeane Rekordmengen an Wärme speichern. Weiterhin verlieren die Gletscher weltweit an Masse und das Meereis zeigt langfristig einen deutlichen Abwärtstrend.

Detaillierte Ergebnisse
Im Zentrum der Analyse steht erstmalig die Energiebilanz der Erde (Abb. 1). Sie beschreibt die Differenz zwischen der Energie, die von der Sonne auf die Erde trifft, und jener, die wieder ins All abgegeben wird. Ist diese Bilanz positiv, verbleibt zusätzliche Wärme im Klimasystem. Genau das ist derzeit der Fall, d. h. die Erde nimmt deutlich mehr Energie auf als sie abgibt. Der Bericht stellt fest, dass das Energieungleichgewicht der Erde so hoch ist wie noch nie seit Beginn der Messungen vor 65 Jahren. Die Ursache liegt in den steigenden Konzentrationen der menschenverursachten Treibhausgase. Sie wirken wie eine zusätzliche Isolierschicht in der Atmosphäre und verhindern, dass Wärme effizient entweichen kann. In der Folge erwärmen sich die Atmosphäre, die Ozeane und die Landflächen. Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung in den langfristigen Trends: Die Jahre von 2015 bis 2025 waren die elf wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen. 

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Schematische Darstellung des Energiegleichgewichts (linke Abbildung) und -ungleichgewichts (rechte Abbildung) der Erde.

Abb. 1:  Schematische Darstellung des Energiegleichgewichts (linke Abbildung) und -ungleichgewichts (rechte Abbildung) der Erde. Quelle: WMO-Bericht, abgerufen am 08.04.2026.

Ein Großteil der zusätzlichen Energie wird von den Ozeanen aufgenommen (Abb. 2). Schätzungen zufolge speichern sie mehr als 91 Prozent der überschüssigen Wärme. Allein in den vergangenen zwei Jahrzehnten haben die Ozeane jährlich etwa das Achtzehnfache des weltweiten menschlichen Energieverbrauchs aufgenommen. Doch das hat seinen Preis: Die Meere erwärmen sich kontinuierlich, die Meeresströmungen ändern sich, Meeresökosysteme geraten unter Stress und Stürme gewinnen an Energie. Der Bericht dokumentiert eine fortschreitende Versauerung der Ozeane, ausgelöst durch die Aufnahme von Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre. Dieser Prozess senkt den pH-Wert des Meerwassers und beeinträchtigt kalkbildende Organismen wie Korallen, Muscheln und bestimmte Planktonarten.

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Jährlicher globaler Ozeanwärmegehalt für den Zeitraum 1960–2025 (0 bis 2000 m Tiefe) in zetta Joules (ZJ).

Abb. 2: Jährlicher globaler Ozeanwärmegehalt für den Zeitraum 1960–2025 (0 bis 2000 m Tiefe) in zetta Joules (ZJ). Quelle: WMO-Bericht, abgerufen am 08.04.2026.

Parallel dazu zeigt sich ein anhaltender Anstieg des globalen Meeresspiegels. Dieser wird durch zwei Hauptfaktoren getrieben: Die thermische Ausdehnung des erwärmten Meerwassers und das zusätzliche Schmelzwasser von Gletschern sowie den großen Eisschilden in Grönland und an den Polareiskappen. Der Bericht hebt hervor, dass sich der Meeresspiegelanstieg in den vergangenen Jahrzehnten beschleunigt hat. Küstenregionen und niedrig gelegene Inselstaaten sind davon besonders betroffen, da selbst kleine Veränderungen langfristig das Risiko von Überflutungen erhöhen.

Auch die Gletscherentwicklung liefert ein klares Signal. Weltweit verlieren Gletscher weiterhin an Masse. Der Bericht beschreibt, dass mehrere Regionen in den letzten Jahren rekordverdächtige Verluste verzeichnet haben. Auch das Meereis zeigt langfristig einen deutlichen Abwärtstrend. Die Ausdehnung des antarktischen Meereises war die drittniedrigste seit Aufzeichnungsbeginn.

Der Bericht macht zudem deutlich, dass viele dieser Veränderungen nicht kurzfristig reversibel sind. Selbst wenn die Treibhausgasemissionen rasch reduziert würden, wirken Prozesse wie Ozeanerwärmung oder Eisschmelze über Jahrzehnte bis Jahrhunderte nach. Das Klimasystem reagiert träge und speichert die Folgen heutiger Emissionen langfristig.

Fazit
Das zentrale Ergebnis des WMO-Berichtes ist eindeutig: Die Erde speichert zunehmend mehr Energie und entfernt sich damit immer weiter von ihrem klimatischen Gleichgewicht. Die gestörte Energiebilanz zeigt, wie tiefgreifend sich das System bereits verändert hat.